Die von vielen, und besonders von wahrhaftigen Freunden des Fußballsports seit langem erhoffte reinliche Scheidung zwischen Amateurismus und Professionalismus wird so bald nun wohl nicht kommen. Man hat sich nämlich unlängst in Köln auf ein neues Vertragsspielerstatut geeinigt, von dem die leitenden Männer des Deutschen Fußball-Bundes hoffen, daß es den Fußballsport von den reinen Berufsfußball-Mannschaften bewahren möge. Im Grunde genommen hat sich gar nichts geändert; es sei denn, man mißt der Tatsache eine besondere Bedeutung bei, daß unsere Vertragsspieler nunmehr statt 320 DM brutto monatlich deren 320 DM netto erhalten und daß mit dem Bundesfinanzministerium ein eigenes Steuerabkommen getroffen worden ist, das ganz gewiß das besondere Interesse des übrigen deutschen Sports erwecken dürfte.

Was an der Kölner Tagung sehr bemerkenswert war, war das direkt und indirekt gegebene Eingeständnis, daß in unserem Vertragsspielerwesen und damit doch auch im Fußballsport allgemein sehr vieles faul war. Denn sonst hätte doch nicht ein prominenter Diskussionsredner davon sprechen können, „daß wir nun wieder korrekt und ehrlich werden wollen“ und daß man als Sünder von der Steuerfahndung erwischt worden sei.

Aber noch eins hat uns bewegt. Der DFB-Präsident, Dr. Pecco Bauwens, meinte, daß das Vertragsspielerstatut den Spielern helfe, ordentliche Menschen zu werden und beruflich weiterzukommen. Geld anzunehmen, sei keine Schande, und darum dürfe niemand als schlechter Mensch bezeichnet werden. Über das „Geld-Nehmen“ gibt es natürlich keine Meinungsverschiedenheit, ob aber das Vertragsspielerhonorar auch nur irgend einen zu einem ordentlichen Menschen erzieht und ihm hilft, beruflich weiterzukommen, dürfte mehr als fraglich sein. Es wäre uns lieber gewesen, bestätigt erhalten zu haben, daß unsere Halbprofis ordentliche Menschen sind (und es auch schon waren, ehe sie sich entschlossen, auf Vertrag zu spielen), als daß sie nunmehr erst durch bezahltes Fußballspielen dazu erzogen werden sollen. Und der Satz vom „beruflichen Weiterkommen“ klingt recht merkwürdig, zumal da zuvor vom DFB immer versichert wurde, unsere Vertragsspieler stünden alle in einem ordentlichen und festen Beruf, der sie so stark in Anspruch nähme, daß ihr Fußballsport ihnen ein großes Opfer bedeute. W. K.