o. m., Bremen

Nach uralter bremischer Tradition findet am zweiten Freitag im zweiten Monat des Jahres, diesmal also am 12. Februar, die „Schaffermahlzeit“, das große Fest der Seefahrt und des Handels, statt. Die Schaffermahlzeit 1954, die 410. seit der Gründung der Stiftung „Arme Seefahrt“, erhält besondere Bedeutung durch die Anwesenheit des Bundeskanzlers: Dr. Adenauer wird an ihr als Ehrengast teilnehmen. Zugleich leitet er damit seinen ersten Staatsbesuch im Bundesland Bremen ein, der seine und der ganzen Bundesregierung Anteilnahme an der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung am hansischen Stadtstaat an der Weser bekunden soll.

Seinen Namen hat das festliche bremische „Brudermahl nach den „Schaffern“, den Männern, die es „schaffen“ („richten“), seitdem die Stiftung „Arme Seefahrt“ im Jahre 1545 zur Hilfe für „alte, arm und siech gewordene Schiffer und (damals) Kaufleute“ gegründet worden war. Längst ist die Schaffermahlzeit jedoch zu einem Symbol der Verbundenheit der bremischen Kaufleute, Reeder, Schiffer und Industriellen geworden.

Hervorgegangen ist die Schaffermahlzeit, die von „Sechs Glas“ (15 Uhr) bis punktum Mitternacht dauert, aus dem einstigen Brauch der Kaufleute, ihre Schiffskapitäne vor deren erster nachwinterlichen Ausfahrt einzuladen, um mit ihnen ihre Pläne für das neue Jahr freundschaftlich durchzusprechen. Gegessen wird dabei heute wie früher nach der „Bremer Hühnersuppe“ Stockfisch (in Anlehnung an die Fastenzeit) mit Braunkohl und Rigaer Butt (zur Erinnerung daran, daß Riga von Bremer Kaufleuten gegründet wurde), aber auch – vor allem der auswärtigen Gäste wegen – Rauchfleisch, Kalbsbraten, Zunge, gedämpfte Äpfel und Käse. Geraucht wird zu starkem Kaffee nur aus langen holländischen Tonpfeifen, wie sie das Tabakskollegium des Soldatenkönigs kannte. Der Tabak wird auf Tellern serviert. Neben jedem Gedeck liegen zwei Tütchen aus Gold- und Silberpapier mit Pfeffer und Salz.

Die großen Höhepunkte der Schaffermahlzeit sind die traditionellen Reden der Schaffer, des „Verwaltenden Vorstehers“ vom „Haus Seefahrt“ und des prominentesten Ehrengastes – diesmal Konrad Adenauer – und ihr stets dreifaches „Hepp-hepp-hurra!“ auf Schiffahrt, Handel und Industrie.

Nach der letzten dieser traditionellen Reden wird der offizielle Teil der Tafel geschlossen. Erst jetzt haben die Damen der Teilnehmer, die bis dahin nebenan warten mußten, Zutritt in den Saal.