Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank A G, dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Wie in der Vorwoche, so hielten sich auch In der Berichtswoche die Preissteigerungen und abschwächungen ungefähr die Waage. Dennoch ist seit mehreren Wochen eine Anstiegstendenz zu erkennen, die auch in Moody’s Index der Warenpreise für Stapelgüter (Basis 31. 12. 1931 – 100) ihren Niederschlag findet. Dieser Index stieg von 406,2 (4. 12. 1953) auf 410,8 (4. 1. 1954) und auf 419,3 (4. 2. 1954). Diese Entwicklung ist um so bemerkenswerter, als die Umsatztätigkeit im allgemeinen ruhig war, jedoch ist die Marktverfassung sehr labil, da bereits auf geringe, mengenmäßige Änderungen des Angebots und der Nachfrage die Preise reagieren. Sowohl auf der Nachfrageseite wie auch auf der Angebotsseite herrscht Zurückhaltung, da Unsicherheit über die künftige Marktverfassung besteht und das Ergebnis der Berliner Konferenz abgewartet wird.

Einen Überblick über die Preisentwicklung in der Woche vom 1. bis 6. Februar 1954 vermittelt nachstehende Tabelle:

Die Getreidemärkte waren überwiegend abgeschwächt. Nur bei Weizen setzte sich im Laufe der Berichtswoche eine leichte Preisbesserung durch, da Stützungskäufe und Deckungen gegen Exportkontrakte mit den Niederlanden und Norwegen durchgeführt wurden. Im allgemeinen war jedoch die Nachfrage des Auslandes und diejenige am US-Inlandsmarkt gering. – Mals: Auf dem US-Maismarkt trat eine Abschwächung ein, nachdem bekanntgegeben wurde, daß aus den Beständen der Commodity Credit Corporation 185 Mill. bu der Ernten 1948 und 1949 zum Verkauf gestellt werden sollen. Jedoch soll dieser Mais nicht unter dem Stützpreis verkauft werden.

Der Bundestag hat die Bundesregierung ersucht, das Getreidepreisgesetz so rechtzeitig einzubringen, daß es spätestens bis zum 31. März 1954 verkündet werden kann. In der Bundesrepublik gehen die Diskussionen um dieses Gesetz weiter. Einige Länder wenden sich gegen die Auslieferung von Futtergetreide auf clf-Basis und protestieren gegen den Fortfall der Frachtsubventionen bei Füllweizen. Das gleiche gilt auch für die Änderung der Frachtsubventionen bei ausländischem Qualitätsweizen, für die vorgeschlagen wurde, eine nach neuen Zonen gestaffelte Frachtpauschale einzuführen.

Die immer schwieriger werdenden Absatzbedingungen für NE - Metalle haben in den USA nicht nur zu den bereits mehrmals erwähnten Produktionseinschränkungen geführt, sondern haben erneut die schon seit längerer Zeit erhobene Forderung auf Erhöhung des Einfuhrzolles für Blei und Zink laut werden lassen. Auf der Bergbaukonvention in Colorado wurde darauf hingewiesen, daß die USA im Jahre 1953 mehr als das Doppelte ihres Bedarfes an USA und Zink eingeführt hätten. Durch einen höheren Zollschutz sollen die Importe aus dem Ausland eingeschränkt und die mit höheren Kosten arbeitenden US -Bergwerke konkurrenzfähig gemacht werden; Soweit bis jetzt bekannt ist, wird dieser Punkt auch in einem wahrscheinlich im April 1954 erscheinenden Bericht des Malone-Ausschusses über die amerikanischen Bodenschätze behandelt werden. Es wird vermutet, daß dieser Bericht Maßnahmen vorschlagen wird, die die USA weitgehend von ausländischen Bergbauerzeugnissen unabhängig machen sollen. Außerdem wird angenommen, daß eine schnellere Entwicklung des Außerdem von Bodenschätzen In der westlichen Welt vorgeschlagen wird, damit sie den eigenen Bedarf aus eigenen Vorkommen decken kann. Wenngleich es sich hierbei erst um mutmaßliche Ergebnisse dieses Berichtes handelt, entsprechen diese doch den Autarkiebestrebungen, die sich u. a. auch in der Forderung nach erhöhten Schutzzöllen bemerkbar machen.

Schwelßwolle: Parallel zur Entwicklung auf den Auktionsmärkten war auch der Wochendurchschnittspreis für Schweißwoll in New York leicht rückläufig. Im Monatsdurchschnitt lagen die Preise in den Dominien im Januar 1954 leicht unter denjenigen des Dezember 1953. Argentinien, das bereits im Herbst 1953 ein Kompensationsabkommen mit Japan abgeschlossen hatte, In dem der Austausch von japanischen Stahlwaren gegen argentinische Wolle und Weizen vorgesehen war, hat jetzt ein derartiges Abkommen mit Jugoslawien abgeschlossen, und zwar soll Jugoslawien gegen Lieferung von argentinischer Wolle und Häuten Zement, Hanffasern, Hopfen und Zigarettenpapier liefern. Ferner soll Argentinien sich um weitere, Kompensationsabkommen bemühen. Nach Angaben des US-Wool-Bureau ist der Anteil der sieben größten Wollimportländer (Großbritannien, USA, Frankreich, Italien, Japan, Belgien und Bundesrepublik) am Welthandel rückläufig, da die Nachfrage der übrigen Länder in den letzten Jahren gestiegen ist. Vor allem ist der Anteil der USA von etwa 31 v. H. in den Jahren 1946 bis 1951 auf nur 23 v. H. 1952 zurückgegangen. Weitaus an der Spitze der Wollimportländer steht Großbritannien das 1953 seine Einfuhren gegenüber 1946 bis 1951 wahrscheinlich um 51 v. H. erhöht hat. Aus diesen Angaben geht hervor, daß heute weit mehr Länder am Wollimport interessiert sind als noch vor wenigen Jahren. Es sei hierbei nur an die verstärkten Käufe der UdSSR und anderer Ostblockstaaten erinnert. Da der Wollanfall von dem erwähnten Wool-Bureau in der laufenden Saison um 110 Mill. lbs, Basis reingewaschen, niedriger veranschlagt wird als im Vorjahr und die verringerten Käufe der USA durch verstärkte Nachfrage anderer Länder ausgeglichen wurden, ist die statistische Position bei Wolle stark.