B. R.-H., Hattingen

Im Hattinger Land ist Krieg ausgebrochen. Die kleinen Gemeinden Nierenhof und Niederbonsfeld haben der für sie zuständigen Obrigkeit, nämlich dem Amt Hattingen an der Ruhr, Fehde angesagt. Schier anrüchig könnte man diese Fehde nennen, wäre sie nicht zugleich von seltener Komik. Es geht um die Müllabfuhr. Schlachtruf: Hie amtlich – hie privat!

Geraume Zeit ging die Abfuhr der Abfälle aus den Haushaltungen in beiden Ortschaften zu allgemeiner Zufriedenheit vonstatten. Ein Privatunternehmen sorgte dafür. Da kam es der Amtsvertretung in den Sinn, daß dieses Amt von Amts wegen durchgeführt werden müsse. Die Bürger sträubten sich zunächst nicht dagegen. Sie sind alle für Ordnung und Sauberkeit. Als sich aber erwies, daß die preisbehördlich genehmigten Gebühren für die Müllabfuhr in kommunaler Regie höher waren als die bisherigen privaten, hagelte es Beschwerden.

Die Gemeindeverwaltung erklärte: „Die Müllabfuhr muß sich selbst tragen.“ Die sparsamen Bürger aber kehrten wieder reumütig zum bewährten Privatunternehmen zurück. Die amtlichen Müllwagen, machten vergebens ihre Runden. Ihre Ausbeute war nur gering. Lediglich einige „Streikbrecher“ lieferten ihre Abfälle an die Obrigkeit.

Da die kommunale Maschinerie angelaufen war, kamen auch bald die ersten Anmahnungen der fällig gewordenen Gebühren. „Wir denken nicht daran“, erklärten die Bürger, „für etwas zu zahlen, was wir nicht in Anspruch nehmen.“ Die Folgen ließen nicht auf sich warten. Der Vollstreckungsbeamte kam in die Dörfer und mit ihm zog der „Kuckuck“ in fast jedes Haus.

Der klebt nun erst einmal – bis die Frage der Rechtsgültigkeit der Müllabfuhr geklärt ist. Ein Verwaltungsstreitverfahren ist eingeleitet...