Wenn der von Berlin ausstrahlende Pessimismus auf die Tendenz der deutschen Börsen nur auf die Kurse einiger Ostwerte Einfluß gewinnen konnte, dann lag es an den zahlreichen Sonderbewegungen, die das Geschäft in Spannung hielten. Gestützt wurde die überraschend stabile Kurshaltung durch zahlreiche Auslandsorders. Die bekanntgewordenen Transfererleichterungen haben das Interesse ausländischer Kreise an deutschen Wertpapieren wesentlich erhöht und den Sperrmarkkurs infolgedessen weiter kräftig anziehen lassen.

Bei den Montanen standen die Mannesmann-Aktien im Vordergrund, Sie konnten in den letzten Tagen etwa 10 Punkte gewinnen und überschritten damit erstmalig den Pari-Kurs. Es wird mit Sicherheit eine Dividende von 6 v. H. für das verflossene Geschäftsjahr erwartet, der Umsatz soll in 1953 etwa 1,5 Mrd. DM betragen haben. Seit der Währungsreform sind 300 Mill. DM investiert worden. Für die Mannesmann-Bewegung war von Bedeutung, daß das kürzlich bei einer Versteigerung in London in deutschen Besitz übergegangene Paket sich nunmehr in festen Händen befinden soll. Dadurch trat zeitweilig ein gewisser Materialmangel ein. Gutehoffnungshütte konnte ihren Abschlag wieder aufholen und jetzt den Stand von 260 v. H. erreichen. Auch Ver. Stahlwerke zog leicht an, dennoch wird gerade hier immer noch von einer möglichen Unterbewertung gesprochen.

Im Gegensatz zu anderen Hauptwerten waren die Umsätze auf dem IG – Farben- Markt begrenzt. Die Liquidationsanteilscheine fielen von 36 3/4 auf 35 7/8 v. H. zurück. Die amtliche Notierung der alten IG-Farben-Aktien wird am 26. Februar eingestellt werden. Die bis zum 31. März 1954 laufende Umtauschfrist wird nicht verlängert. Nach dem 26. Februar notiert die Börse nur noch die Nachfolgegesellschaften, die sich in den letzten Tagen gut behaupteten. – Von den übrigen chemischen, Werten mußte Schering nach der ungewöhnlichen Hausse der letzten Wochen Gewinnrealisationen über sich ergehen lassen, die den Kurs um 6 bis 8 Punkte nach unten drückten. Immerhin haben die Meinungskäufe des Auslandes noch keinesfalls aufgehört. Eine beachtliche Steigerung verzeichneten Rütgers-Aktien, da man mit einer Heraufsetzung der Dividende auf den alten Satz von 5 v. H. rechnet.

Die Ankündigung der Bilanzsitzungen und der darauf folgenden Hauptversammlungen brachte den Großbanken-Nachfolgern neue Gewinne. Die Kurse der Nachfolgeinstitute der Commerzbank und der Dresdner Bank liegen bei 137 v. H., die der Deutschen Bank bei 138 v. H. Die Aktien der Berliner Handelsgesellschaft gewannen 11 Punkte. Hier wirkte sich die Nachricht aus, daß die Bank wieder das Geschäftsvolumen der Jahre 1935 bis 1938 erreicht hat und mit einer angemessenen Dividende für 1953 gerechnet werden kann. Hoffnungen auf Freigabe der beschlagnahmten Auslandsvermögen lösten bei der Deutschen Überseeischen Bank eine Abwärtsbewegung von sieben Punkten aus. Daneben konnten sich die Reichsbank- Anteile und die Aktien der Dt. Golddiskontbank weiter befestigen. Offenbar scheint sich bei diesen Papieren immer mehr die Uberzeugung durchzusetzen, daß der inoffizielle Plan der Bundesregierung, die Reichsbank-Anteile im Verhältnis von nur 10 : 6 umzustellen, fallen gelassen wird, so daß der Weg für eine Entschädigung auf der Basis von 1 : 1 frei ist.

Bei den Schiffahrtsaktien beschränkte sich die durch Freigabehoffnungen von Auslandsvermögen in Gang gekommene Abwärtsbewegung auf Hapag und Nordd. Lloyd. Hansa-Dampf mußten ihren Gewinn inzwischen wieder vollständig hergeben. Nach Informationen der Hamburger Kreditbank soll das Auslandsvermögen bei der Hapag 7,96 Mill. DM ausmachen, das in der DM-EB mit 1 DM zu Buch steht. Auch in der DM-EB des Nordd. Lloyd ist das Auslandsvermögen nur mit einem Erinnerungsposten eingesetzt. Sollten sich die Freigabeerwartungen bei diesen Gesellschaften tatsächlich erfüllen und kommt es überdies In Irgendeiner Form zu einer Entschädigung durch den Bund, dann dürfte sich der Status beider Reedereien wesentlich verbessern, denn die Hapag sowohl wie der Lloyd haben zwar ihr AK im Verhältnis 1 : 1 umgestellt, jedoch ist ein Kapitalentwertungskonto vorhanden, das rund 80 v. H. des AK ausmacht.

Seit langer Zeit kamen jetzt auch die Textilwerte wieder ins Geschäft. Trotz unterschiedlicher Beschäftigung der einzelnen Unternehmen sind die Produktionsmeldungen insgesamt recht befriedigend, so daß bei einem Teil der Gesellschaften mit einer Dividende gerechnet werden kann. Die Nachfrage nach Maschinenwerken basiert ebenfalls auf Dividendenhoffnungen. Bei Schiess scheint eine Rendite von mindestens 7 v. H. sicher zu sein. Lindes Eis, wo 8 v. H. erwartet werden, stieg um 10 Punkte.

Die beiden Spitzenpapiere der Elektroindustrie, AEG und Siemens, blieben gut behauptet. Bei Accumulatoren ergab sich ein Gewinn von 12 Punkten. Elektrische Versorgungswerte waren im wesentlichen unverändert. Bemerkenswert fest lag Dt. Contigas. Die Aktien zogen um 10 1/2 Punkte an, weil eine Dividende von 7 v. H. in Aussicht steht.

Am Rentenmarkt konzentrierte sich das Interesse anlagesuchender Kreise auf die hochverzinslichen DM-Emissionen, die teilweise zu leicht heraufgesetzten Kursen gehandelt wurden. Die 5 v. H. Lastenausgleichsanleihe von 1953 sowie die 7 1/2 v. H. Daimler-Anleihe von 1954 wurde inzwischen voll untergebracht. Das gleiche gilt für die 30 Mill. DM 7 1/2 v. H. Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks-AG (VEBA)-Anleihe von 1954. -ndt