Wer ein Buch über Fälschungen, schreibt, sollte sehr korrekt sein, denn über Fälscher darf niemand zu Gericht sitzen, der dies nicht ist – auch wenn er zum Schluß mit gespieltem Freimut erklärt, man habe wohl gemerkt, daß er eine Sympathie für Fälscher habe, (Fritz Mendax, „Aus der Welt der Fälscher W. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart.)

Das Buch beginnt bereits sehr pseudo-wissenschaftlich. Nach einer überflüssigen Einleitung, in der der Verfasser berichtet, daß er in Italien einmal mit falschen Münzen betrogen worden sei – welchem Italienreisenden wäre das eigentlich nicht passiert? –, wird ein Sprung in die Antike vollführt. Alle abgestandenen Anekdoten, von der des Zeuxis und der gemalten Weintrauben, an denen die Vögel picken, angefangen, werden hervorgekramt; dann wird die Reihe über Cimabue und Giotto bis zur Zeit der Renaissance zu Giovanni da Udine fortgeführt. Und endlich kommt nach acht Seiten der Satz: „Alle diese Geschichten sind doch ‚olle Kamellen‘, an die niemand mehr ernstlich ... glaubt.“ Aber sie sind der „Nachweis der Tatsache, daß es Zeiten gab, die Kunst und Trug ungefähr für das gleiche hielten. Und es waren Zeiten, die nicht schwach, sondern stark in der Kunst waren“. Hier schlägt einer, der es besser wissen müßte, um der Sentenz willen, die er in seinem Buch vertreten will, im wissenschaftlichen Bereich die Volte. Diese Anekdoten, soweit sie die Antike betreffen, stammen aus später alexandrinischer Zeit, also nicht aus der künstlerisch starken Epoche, von der sie handeln. Und die Anekdoten von Giotto bis Giovanni da Udine sind Erzeugnisse von Chronisten der Renaissance, die es dem antiken Beispiel nach der damals herrschenden Mode gleichtun wollten. Wie also kann ein Verfasser es eigentlich wagen, aus solchen Quellen zu schließen, daß es Zeiten gab, die Kunst und Trug ungefähr für das gleiche hielten? Am Abschluß dieser Deduktionen finden sich die Sätze: „Dem aufmerksamen Leser ist sicher nicht entgangen, daß die Beweisführung Dinge miteinander kopuliert, die man bei strenger Methodik so ohne weiteres nicht kopulieren darf. Aber das schadet nichts, wenn nur deutlich wird, worauf es ankommt...“

Nach solchen Methoden geht es dann weiter das ganze Buch hindurch. Da erzählt Herr Mendax in seiner neckischen Art von Veturius Mamurius, von dem er aber keineswegs sagen wolle, daß er das zur Zeit des Königs’ Numa Pompilius „vom Himmel gefallene ancile geschaffen“ habe. „Woher soll ich das wissen? Denn zu denPriesterschaften, die Numa Pompilius einsetzte, gehörten auch die Auguren, und wenn es schon nicht überliefert ist, so ist doch füglich nicht zu bezweifeln, daß eine der ersten Amtshandlungen der Auguren ihr nachmals so berühmt gewordenes Lächeln gewesen sein dürfte.“ Was für eine? Aufgabe kann ein solches Gewäsch anders haben, als dem Leser Sand in die Augen zu streuen?

Numa, so schreibt der Verfasser, stand im besten Verhältnis mit der „Göttin Egeria, die ihm wie eine Freundin des öfteren Begegnungen gewährte“. Aber von Livius und Ovid wird uns versichert, daß sie gar keine Göttin, sondern eine Quellnymphe war und außerdem die Gattin des Numa Pompilius. Sie riet ihm, zu dem heiligen Schild (ancile) elf weitere anfertigen zu lassen, um zu erschweren, daß der echte gestohlen werde. Den etruskischen Handwerker nun, eben jenen Veturius Mamurius, der diesen Auftrag der Sage nach ausführte, macht Mendax zum Prototyp des Fälschers und beweist damit, daß er vom Wesen des Fälschers überhaupt nichts verstanden hat. Denn wie kann einer, der auf zauberkundigen Rat und königlichen Befehl für sakrale Zwecke Kopien herstellt, ein Fälscher sein? Der Verfasser aber zitiert seinen Namen mit Behagen das ganze Buch hindurch...

Einige Sätze aus dem Schlußkapitel wollen wir noch als abschreckendes Beispiel anführen: „Denn die Kunst sucht und verwirklicht im Wahn die Wahrheit, Die unermeßliche Bedeutung dieser Tatsache war und ist hier nicht zu erörtern. Hingegen muß in einem Buche, das von den Fälschern handelt, herausgehoben werden, daß auf eben derselben Tatsache auch jene Macht und Lust der Kunst beruht, die ich ihren Trug genannt und durch historische Beispiele, an denen sich nicht rütteln läßt, belegt habe.“

Nach diesem leeren und schon durch die wenigen von uns gebrachten Zitate widerlegten Anspruch ein Satz, der auf Seite 296 steht, den ebenso wie wir alle Leser des Buches für einwandfrei und richtig halten werden: „Aber was gilt schon die Meinung von Fritz Mendax?“ Darüber aber sollte er sich nicht beklagen. Heißt das von ihm gewählte Pseudonym Mendax doch der Verlogene!

Ein anderes Buch, das auch von Fälschungen handelt, das den Fall des holländischen Malers van Meegeren darstellt, dem es gelang, fast ein Jahrzehnt hindurch eine große Zahl freier künstlerischer Sachverständiger durch seine falschen Vermeers zu düpieren, ist im Gegensatz zu dem des Herrn Mendax sehr ernst zu nehmen und verdient, recht genau gelesen zu werden. („Falsch oder echt?“ Der Fall van Meegeren von Sepp Schüller, Brüder Auer-Verlag, München.;