Wohin mit dem persischen Ol?

Die seit mehreren Wochen in London tagenden Vertreter von acht großen Erdölgesellschaften Englands, der Vereinigten Staaten, Hollands und Frankreichs hoffen, daß die iranische Ölindustrie unter internationaler Leitung bis? zum Spätsommer 1954 ihre Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Der Optimismus der Gesellschaften stützt sich darauf, daß die Regierungen Großbritanniens und Irans bereits Verfahrensfragen für Verhandlungen über die Beilegung des anglo-iranischen Ölkonflikts behandeln. Außerdem hat der Ölausschuß der Regierung in Teheran die Gründung einer internationalen Verarbeitungs- und Absatzgesellschaft für die verstaatlichten Ölanlagen vorgeschlagen. Der britische Entschädigungsanspruch für die Enteignung der früher der Anglo-Iranischen Ölgesellschaft gehörenden Anlagen soll formell anerkannt werden, Großbritannien und Iran sollen jedoch auf ihre gegenseitigen Forderungen verzichten. Die in London tagenden Ölgesellschaften rechnen damit, daß die Wiederingangsetzung der iranischen Ölindustrie etwa 200 Mill. Dollar erfordern wird. Die acht Gesellschaften, beschäftigen sich gegenwärtig vor allem mit der Frage, wie das iranische Öl auf dem Weltmarkt untergebracht werden kann. Vor der Schließung der iranischen Ölanlagen würden täglich 600 000 bis 700 000 barrels Rohöl produziert. Der durch die Stillegung entstandene Ausfall wurde jedoch in kurzer Zeit durch eine Erhöhung der Produktion der anderen Erdölgebiete wettgemacht, so daß der Weltbedarf heute voll gedeckt ist. Eine Lösung wäre, die Vorübergehende Drosselung der ölproduktion in anderen Gebieten, bis die noch immer steigende Nachfrage die geförderten Mengen vollständig absorbieren kann.

Spion Rastorowow

Der am 23. Januar in Tokio verschwundene Chef der russischen Spionageorganisation in Japan, Oberstleutnant Rastorowow, befindet sich nach Mitteilungen aus amerikanischen Kreisen im Hauptquartier der amerikanischen Abwehr auf Okinawa. Rastorowow war offiziell als 2. Sekretär an der russischen Mission in Tokio, einem Überbleibsel des früheren „Alliierten Kontrollrates für Japan“ tätig. Dieser Kotrollrat war nach dem Frieden von San Franziska aufgelöst worden, aber die Russen weigerten sich, ihre Mission abzuberufen, mit der Begründung, der Frieden von San Franzisko sei „illegal“ zustande gekommen. Rastorowow war ein besonderes Protegé Lawrenti P. Berijas und längere Zeit sein persönlicher Kurier gewesen.

An dem Tage, an dem die Mitteilung über die Hinrichtung Berijas in Tokio eintraf, nahm Rastorowow Fühlung mit einer amerikanischen Heeresabwehrstelle auf, mit der er sich ganz offen über die Möglichkeit eines „Seitenwechsels“ Unterhielt. Am 23. Januar erhielt Rastorowow seine Versetzung nach Moskau. Wenige Stunden später befand er sich bereits auf dem Fluge zum Hauptquartier der amerikanischen Abwehr auf Okinawa. Ein gut unterrichteter amerikanischer Gewährsmann in Tokio erklärte, „die japanische Regierung würde überrascht sein wenn sie wüßte, was der amerikanischen Abwehr nunmehr über die gesamte kommunistische Verschwörung in Japan bekannt ist“.