Einen großen Schritt vorwärts haben Bestrebungen getan, die auf die Freigabe des in Amerika beschlagnahmten deutschen Vermögens gerichtet sind. Ein Unterausschuß des amerikanischen Senats unter dem Vorsitz von Senator Dirksen hat die vollständige Rückgabe dieser Vermögen, beziehungsweise die Auszahlung ihrer Liquidationserlöse empfohlen. Von der Rückgabe sollen immobile Vermögen ausgeschlossen sein, deren Amerikanisierung im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten erforderlich erscheint. Ihre Eigentümer aber sollen aus dem Erlös dieser Vermögenswerte entschädigt werden. Ausgeschlossen sind ferner die Vermögen aller wegen Kriegsverbrechens verurteilten Personen und das Vermögen, der ehemaligen deutschen Regierung. Die Vermögen von Personen, die in Ländern unter kommunistischem Einfluß leben, also auch die der Sowjetzone, bleiben vorläufig in amerikanischer Treuhänderschaft, um sie dem Zugriff und Gebrauch durch kommunistische Regierungen zu entziehen.

In einer Verlautbarung zur Begründung der Empfehlung heißt es, daß man nicht nur verwaltungstechnische Einzelheiten des Problems, sondern auch seine gewandelte philosophische Fundierung untersucht habe. Der Übergang von dem Prinzip der treuhänderischen Verwaltung des Feindvermögens, wie sie während und nach dem ersten Weltkrieg geübt wurde, zu dem Prinzip der Beschlagnahme und Liquidation sei durch H. Dexter White und seine Genossen veranlaßt worden, die inzwischen als Werkzeuge des Kommunismus entlarvt worden seien. Es wird betont, daß die gegenwärtige Politik der Konfiszierungen geeignet sei, die Ergebnisse einer Außenpolitik zunichte zu machen, die auf die Bildung eines starken Westdeutschland als Bollwerk gegen künftige kommunistische Aggression abziele. Es sei der Zweck der Vorlage, die gegenwärtigen Bestimmungen im Sinne einer Übereinstimmung mit der Außenpolitik abzuändern.

Das von der Rückerstattung betroffene deutsche Vermögen beträgt nach amtlichen Schätzungen 385 Millionen Dollars, das sind etwa 1,6 Milliarden DM. So wahrscheinlich es ist, daß, nachdem der Rechtsausschuß unter Senator Langer die Vorlage angenommen hat, auch der Senat selbst ihr zustimmen wird, so ist doch die Aufnahme im Repräsentantenhaus noch ungewiß, wo wahrscheinlich noch die Frage des Abzuges der Verwaltungskosten eine Rolle spielen wird.

Zu diesem Fortschritt in den deutsch-amerikanischen Beziehungen haben die bedingungslose Anerkennung der deutschen Vorkriegsschulden durch die Bundesrepublik, und wahrscheinlich auch das Wiedergutmachungsabkommen mit Israel, beigetragen, noch mehr aber die allgemeine politische Entwicklung und die damit einhergehende Wandlung der amerikanischen Haltung Deutschland gegenüber.

An dieser Wandlung haben Männer, wie Chavez, Langer und Dirksen, genau so Anteil wie Außenminister Dulles, der schon 1943, mitten im Kriege, in einer Fachzeitschrift erklärte, daß die Sequestrierung des deutschen Vermögens nur als eine Vorbeugungsmaßnahme für die Dauer des Krieges anzusehen, sei. In besonderem Maße hat sich aber auch der amerikanische Frontkämpferverband American Legion um diese Lösung verdient gemacht, indem er sich energisch für die Freigabe des deutschen Vermögens einsetzte, obwohl die amerikanischen Kriegsteilnehmer aus diesen Mitteln entschädigt werden sollten. H. B.