Die Binnenschiffahrt rechnet von jeher mit sehr langen Zeiträumen; das bringt ihr Gewerbe so mit sich. Sie läßt sich daher nicht allzusehr von der wandelbaren Tagesmeinung beeinflussen, sondern sie ist es gewohnt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Es ist daher nicht erstaunlich, daß sie in ihrer Denkschrift zur Neuordnung des deutschen Verkehrs ihre eigenen Ideen entwickelt.

Die letzten Gründe der Finanzkrise der Bundesbahn sieht die Binnenschiffahrt nicht in den so viel besprochenen politischen Lasten, auch nicht im Vernichtungswettbewerb mit der Straße, sondern in einer bis auf die zwanziger Jahre zurückgehenden falschen Tarifpolitik: schon damals habe sich die Schiene, nur um Tonnen zu halten, auf den verhängnisvollen Weg der Ausnahmetarife, die längst keine Ausnahme mehr darstellen, abdrängen lassen. Darüber hinaus habe die Bahn in ihrer Tarifpolitik in Verkennung der Grenzen, die dem gemeinwirtschaftlichen Prinzip durch den Zwang zur Eigenwirtschaftlichkeit gesetzt sind, eine verschleierte Subventionierung der Wirtschaft über die Frachten betrieben.

Hierfür dürfe für die Zukunft kein Raum mehr sein.-Ein Umbau der Gütertarife mit dem Ziel einer allgemeinen Tariferhöhung sei unvermeidlich. Die Wirtschaft müsse Verständnis dafür aufbringen, daß die Bundesbahn der Überspannung des an sich richtigen Grundgedankens der Gemeinwirtschaftlichkeit nicht geopfert werden dürfe. Sie werde nicht gesunden können, solange die Preis-Kosten-Schere nicht zu schließen ist. Da auf der Kostenseite nicht mehr viel hereingeholt werden könne, bleiben nur die Preise übrig. Natürlich verkennt auch die Binnenschiffahrt nicht, daß das Prinzip der Gemeinwirtschaftlichkeit eine Ordnung voraussetzt; sie tritt hierfür ein, wobei sie betont, daß die Ordnung im Verkehr eine totale sein muß. Über die politischen Lasten der Bundesbahn hat die Schiffsfahrt naturgemäß ihre eigene Auffassung. Sie sieht in ihnen nur den gerechten Ausgleich für die der Eisenbahn zugebilligte Steuerfreiheit. Eine Übernahme der betriebsfremden Lasten der Bundesbahn durch den Staat ohne gleichzeitige Begründung einer Steuerpflicht der Bahn käme einer marktverfälschenden Maßnahme gleich. Rlb.