Die kleine schwedische Stadt Falun–vor Hunderten von Jahren eine in der ganzen Welt bekannte und blühende Kupferminenstadt, in der sich auch die älteste Aktiengesellschaft der Welt befand – beherbergt in dieser Woche 263 Skisportler aus siebzehn Ländern, die an den nordischen Konkurrenzen der Skiweltmeisterschaften teilnehmen. Die Kämpfe haben am Sonntag mit dem 30-km-Langlauf und dem Spezial-Sprunglauf begonnen und erreichen am Schlußtage zu Ende dieser Woche mit dem 50-km-Langlauf ihren Höhepunkt.

Diesmal ist auch Deutschland wieder mit von der Partie. Während aber vor vier Jahren, als in Aspen im nordamerikanischen Staate Colorado um die höchste Trophäe des internationalen Skisports gekämpft wurde, noch keine Deutschen am Start waren, sind jetzt in Schweden gleich zwei deutsche Mannschaften erschienen. Damit ist das eingetreten, was wir alle zu vermeiden sehnsüchtig erhofft hatten – auch der sportlichen Weltöffentlichkeit das Bild unserer staatlichen Zerrissenheit eklatant vor Augen zu führen. Diese beiden deutschen Mannschaften finden sich noch nicht einmal auf der sportlichen Kampfbahn zusammen. Die ostzonalen Sportführer haben es vorgezogen, ihre Mannschaft nicht gemeinsam mit den Westdeutschen unterzubringen, sondern sich mit den Ostblockstaaten zusammenzutun, und demgemäß wohnen sie also mit den Ungarn zusammen, während die Vertretung der Bundesrepublik ein gemeinsames Quartier mit den Österreichern bezog

Obwohl sich in Falun die Elite des internationalen Skisportes versammelt hat, lenken doch die Russen die größte Aufmerksamkeit aller Teilnehmer und Zuschauer auf sich. Ihre Unterkunft, das Humlebacken-Hotel, ist ständig umlagert. Wie werden die Finnen, die Norweger und die Schweden dem russischen Ansturm begegnen und in welcher Konkurrenz werden sie ihre Vormachtstellung an die Russen abtreten müssen? Das ist die Frage, die alle Experten bewegt. Die bislang einzig vernünftige Antwort darauf gab der russische Mannschaftsführer: „Ende der Woche, wenn die Kämpfe beendet sein werden, werden wir wissen, wie gut wir sind – eher nicht!“

Aus über drei Millionen Skiläufern des Landes hat man diese zweiunddreißig Meisterschaftsanwärter herausgesucht und sie seit drei Monaten’in den Uralbergen trainiert. Sobald man erfahren hatte, daß Falun der Austragungsort der Wettkämpfe sein wird, beschaffte man sich die Landkarten dieses Gebietesund suchte im weiten Rußland nach einem dem Faluner Gelände ähnlichen Landstreifen. Man fand ihn in der Nähe von Swerdlowsk, dort gingen dann auch die Ausscheidungskämpfe vor sich. Der Ehrgeiz der Russen geht dahin, bei iherem ersten Auftreten in einer Skiweltmeisterschaft gleich auch mit an der Spitze zu liegen. W. F. K.