In der Verkehrsdebatte des Bundestages in der vergangenen Woche schlugen die Wogen der Kritik über dem Verkehrsminister Seebohm zusammen. Wahrscheinlich war diese Kritik berechtigt, denn schließlich ist der Verkehrsminister für den Verkehr und für die Verkehrskatastrophen verantwortlich. Trotzdem ist es ein wenig merkwürdig, daß den Parlamentsrednern ihre eigene Verantwortung nicht zum Bewußtsein kam.

Die Verkehrsdebatte war hervorgerufen durch Interpellationen der Regierungsparteien und der Opposition. (Siehe auch Wirtschaftsteil S. 9.) Da ist wohl die Frage erlaubt, warum die Parteien nicht auch ihrerseits ihre Anfragen schon vor zwei oder drei Jahren eingebracht und mit dem nötigen Nachdruck eine Regelung der Verkehrsprobleme verlangt haben. Anscheinend ist das nicht geschehen; sonst hätte sich wohl das Bundesverkehrsministerium schon früher bequemen müssen, entsprechende Gesetze vorzubereiten. Jetzt hört man zwar viel von der Dringlichkeit der Sache, doch wollen sich die Parteien mit der Verabschiedung der Verkehrsgesetze, die noch nicht einmal dem Parlament vorliegen, ebenso Zeit lassen wie die Bundesregierung.

Man sollte ihnen daher folgendes zu bedenken geben: Täglich sterben auf den deutschen Straßen 30 Menschen den Verkehrstod. Daran sind wir, leider, gewöhnt. Würde jede Woche einmal ein Eisenbahnunglück 200 Tote fordern und die Öffentlichkeit unter den Eindruck fortgesetzter Katastrophen setzen, dann würden sowohl die Bundesregierung, wie auch das Parlament sehr schnell die nötigen Gesetze vorbereiten und verabschieden und auch Hohe Beträge zur Verfügung stellen, wenn sie zur Verhinderung solcher Katastrophen benötigt würden. Es ist aber im Hinblick auf die Notwendigkeit, Leben und Eigentum zu schützen, kein Unterschied zwischen einzelnen großen Eisenbahnkatastrophen und einer permanenten Straßenkatastrophe. F.