Landwirtschaftsminister Dr. Lübke hat mit seinem neuen Kurs etwas Wind in die Stuben der Bauernverbände gebracht, die zum großen Teil noch von den Vorstellungen des Marktordnungsverfechters Prof. Niklas angefüllt sind. Lübke als Mann der freien Wirtschaft hat erkannt, daß das bisher zweifellos erfolgreiche System jetzt durch die Förderung des Qualitäts- und Wettbewerbsgedankens abgelöst werden muß, wenn es gelingen soll, die deutsche Landwirtschaft allmählich in einen größeren Markt hineinzuführen. Seine Auffassung, die Preise der Zulieferindustrie der Landwirtschaft herabzusetzen, um (einer echten Mengenkonjunktur folgend) die Agrarpreise senken zu können, stößt auf den Widerstand der Paritätspreistheoretiker, dieumgekehrt. die Agrarpreise an die Industriepreise heranheben möchten. Sein Flurbereinigungsprogramm, als Schlüssel zu einer echten Produktivitätssteigerung,so meint man auf der anderen Seite, geht als Fernziel an dem Gegenwartsproblem – der Absatzkrise – vorbei. Ja, schließlich spricht man schon von einem Wetterleuchten um Lübke, der sich zu früh stark gemacht habe, indem er die Getreidepolitik zugunsten des Handels lockern will.

Der bayerische Landwirtschaftsminister Dr. Schlögl hat in diesen Tagen zu den Plänen Lübkes Stellung genommen. Er ließ keinen Zweifel darüber, daß er sich mit den weitblickenden und mutigen Plänen seines Bundeskollegen identifiziert. Zwar verspricht sich Schlögl für Bayern eine besonders hohe Summe von Lübkes Flurbereinigungsmitteln, dennoch ist seine Einstellung um so erfreulicher, als gerade im Süden der Bundesrepublik das Eis der Marktordnungsgedanken und des „Protektionismus um jeden Preis“ besonders dick war. Schlögls Stellungnahme ist dazu geeignet, mit jenen übertriebenen Stimmen aufzuräumen, die vor einem „Bauernkrieg“ warnten und durchblicken ließen, daß Lübke auf dem Altar des Protektionismus geopfert werden könne.

Wenn die Landwirtschaft erst einmal unter der kundigen Führung Lübkes erkannt hat, daß sie bei genügender Beachtung des Qualitätsprinzips selbst außerhalb der Grenzen Absatz finden kann, dann wird sie sich auch von dem Gedanken des garantierten Preises auf dem Inlandmarkt allmählich frei machen können. Der neue Landwirtschaftsminister hat das richtige (wenn auch nicht bequeme) Rezept, um die deutsche Landwirtschaft trotz ihrer anerkannten Grenzen mehr und mehr in die Marktwirtschaft und in einen größeren Wirtschaftsraum überhaupt hineinzuführen. Lübke sollte deshalb diesen Stimmen, die, wie Schlögl erklärte, unnötig dramatisiert und aufgebauscht wurden, nicht mehr Beachtung als notwendig schenken und mutig seinen Weg weitergehen. t. r.