Kein Zweifel: damit ist der Werbefachmann von morgen Anforderungen gegenübergestellt, denen mancher Werbeleiter von gestern nicht gewachsen gewesen wäre. Die bestehenden Werbefachschulen geben dem Nachwuchs gutes Rüstzeug für das herkömmliche Werbehandwerk mit: für das kleine Abc. Die Aufgaben des Werbeleiters von morgen jedoch – vor allem bei großen Unternehmen – machen eine umfassendere Ausbildung erforderlich. Was fehlt, ist die Werbehochschule, die dem Studierenden außerdem betriebs- und absatzwirtschaftliche, kunstgeschichtliche, literarische, publizistische und psychologische Grundlagen-vermittelt. Finanziell müßte sie so gestellt sein, daß sie es sich leisten könnte, die führenden Experten aus der Praxis, die sich heute zumeist auf ihre Arbeit beschränken, als Dozenten heranzuziehen.

Es wäre falsch, die Berufung in führende Werbepositionen vom Examen an einer solchen Hochschule abhängig zu machen: denn erfreulicherweise haben sich gerade in der Werbung immer wieder Autodidakten bis in die Spitzengruppe emporgearbeitet. Aber genau so falsch, wie eine Beseitigung des Studiums der Schulmedizin wäre, weil hier und da ein Naturheilkundiger überzeugende Heilerfolge erzielt, so falsch wäre es, wenn sich die Wirtschaft darauf verließe, daß sich die großen Könner der Werbung von morgen von selbst entwickeln werden. Unsere Industrie steht vor schweren Wettbewerbsaufgaben. Sie wird sie auf die Dauer nur erfolgreich lösen können, wenn sie dafür sorgt, daß der Werbeleiter von morgen mehr kann als der von gestern. Thomas Tessmann