Es ist heute ein Jahr her, daß ich eines Abends auf der Akropolis stand und mit einem Gefühl tiefer Erfüllung eine Eule entflattern ließ, die ich soeben nach Athen getragen hatte.

Den Entschluß zu dieser Tat hatte ich eines Nachts gefaßt, als ich nicht schlafen konnte. In solchen Situationen fasse ich Entschlüsse, die ich gewöhnlich sofort in die Tat umsetze. Dieser neue und bis dahin vielleicht kühnste Entschluß ließ sich nun zwar nicht sogleich verwirklichen, wohl aber konnte seine Ausführung vorbereitet werden. Ich kleidete mich an und ging zu meinem Vogelhändler. Sein Laden ist nachts geschlossen; Stammkunden bedienen sich einer Nachtglocke. Ich läutete und stand bald darauf zwischen tuchbedeckten Käfigen in der nächtlich-trüben Vogelhandlung. Der Händler fragte mich, was es sein dürfte.

„Eine Eule, bitte“, sagte ich.

„Aha“, sagte er, „Sie sind ein Kenner. Die meisten Kunden machen den Fehler, sich ihre Eulen bei Tageslicht auszusuchen. – Soll sie ein Geschenk sein?“

„Nein, sie ist für mich. Ich möchte sie nach Athen tragen.“

„Nach Athen, aha!“ Der Vogelhändler führte Daumen und Zeigefinger langsam über sein Kinn und sagte: „Da würde ich Ihnen zu einem Steinkauz raten. Ich fürchte, Waldohr- oder Schleiereulen sind den Strapazen einer längeren Reise nicht gewachsen. Ein Steinkauz dagegen ist zäh und hat übrigens auch ein handlicheres Format.“

„Einen Kauz nach Athen tragen!“ sagte ich langsam, mit stillem Zweifel diese Vorstellung prüfend. Schön allein der Rhythmus sagte mir nicht zu.