Ceylon ist ein wirtschaftlich höchst seltsam strukturiertes Land. 90 v. H. seiner Ausfuhr besteht aus landwirtschaftlichen Produkten: Tee Gummi und Kokos, und über 50 v. H. seiner Einfuhr sind ebenfalls agrarische Erzeugnisse, vor allem Reis. Das Land muß zwei Drittel seines Reisbedarfs einführen. Daß hochintensive Industrieländer sehr konjunkturempfindlich sind, ist nichts Neues, daß aber ein Agrarland ebenso gefährlichen Schwankungen ausgesetzt ist, erscheint zunächst überraschend. Ceylon bekommt aber tatsächlich alle politischen Krisen unserer heutigen Welt zu spüren. 1950, nach Beginn des Koreakrieges, stieg der Exporterlös für Gummi auf das Fünffache. Der eingeführte Reis wurde zwar auch teurer, aber nicht im gleichen Verhältnis, so daß Ceylon einen boom sondergleichen erlebte. Zwei Jahre später war der Gummipreis wieder normal, aber der Reispreis wegen der politischen Unsicherheit in Burma, des Indochinakrieges und der großen Reiskäufe der USA-Regierung unerschwinglich. So ist das Agrarland Ceylon ständig ein Spielball der politischen Konflikte, die sich irgendwo in der Welt zutragen.

Größer aber als diese Bedrohung erscheint manchmal die Gefahr, die das Land mit seiner Erziehungspolitik heraufbeschwört. Alle Länder im Nahen und Fernen Osten, die erst vor kurzem ihre Unabhängigkeit gewonnen haben, versuchen, in wenigen Jahren das nachzuholen, was in Generationen versäumt wurde oder ihnen bisher verwehrt war. Mit geradezu rührendem Vertrauen erhofft man sich Wunderwirkungen von der Überwindung des Analphabetismus, und überall schießen in beängstigender Zahl Colleges, Universitäten und Forschungsinstitute aus dem Boden. Das ist nicht nur in bezug auf die Kapitalinvestition eine fragwürdige Maßnahme, sondern auch hinsichtlich der psychologischen und sozialen Auswirkungen. Es wird nämlich auf diese Weise künstlich eine Art Intelligenz-Proletariat herangezüchtet, weil weder die Verwaltung noch die Wirtschaft in der Lage sind, diese vielen halbgebildeten und doppelt diplomierten Akademiker aufzunehmen, die alle der Meinung sind, Anrecht auf einen Direktorenposten zu haben. – Ceylon übertrifft in dieser Hinsicht alle anderen Länder. Hier ist nämlich der Unterricht auch in den höheren Schulen und sogar in der Universität frei. Mehr als ein Drittel des Budgets wird für Erziehung ausgegeben, und in Kandy, der alten Königsstadt in den Bergen, ist fast ein Dutzend geschmackvoller, moderner Gebäude, umgeben von Gärten und Parks, entstanden: Colleges, von denen jedes einzelne so groß ist wie früher die Universität einer deutschen Provinz ...