Vom 23. März bis 14. April findet in Mexiko die erste deutsche Industrieausstellung „Alemania y su industria“ statt, auf der rund 500 deutsche Industrie- und Handelsfirmen für deutsche Erzeugnisse werben werden. Bundeswirtschaftsminister Prof. Erhard wird diese Ausstellung eröffnen. Born mißt diesem Ereignis erhebliche Bedeutung zu, da die Bundesrepublik gleichzeitig versuchen will stärker als bisher in den zentral-amerikanischen Dollar-Raum vorzustoßen. Obwohl das Schwergewicht im Gebiet des Maschinenbaus liegt und die deutschen Firmen sich hier gegenüber der starken nordemerikanischen Konkurrenz durchsetzen müssen, hat man sich auch gute Exportaussichten im Konsumgüterbereich errechnet. Die Schmuck- und Porzellanindustrie ist stark vertreten. Wenig Chancen dürften dagegen wohl für deutsche Textilien und Lederwaren bestehen.

O. Sch., Mexiko-City, im Februar

In diesem Jahre werden sich eine Reihe von Industrie- und Handelsausstellungen der mexikanischen Hauptstadt vorstellen: außer der westdeutschen und der belgischen, die beide in ihren Vorbereitungen am weitesten vorgeschritten sind, werden auch eine italienische, schweizerische, englische und japanische angekündigt, und gleichzeitig werden Pläne über eine ibero-amerikanische Handelsmesse unter Einschluß Spaniens, Portugals sowie der Philippinen und neuerdings auch das Projekt einer „Ersten Mexiko-Nordamerika Handelsmesse“ bekannt. Dieser Ausstellungs-Wettlauf findet erklärlicherweise im Lande selbst günstige Aufnahme. Man spricht von der Möglichkeit, Mexiko zum idealen Land für Handels- und Industrie-Ausstellungen machen zu können. „Mexiko kann sich in einen Kreuzpunkt aller Straßen Amerikas verwandeln“, lautete ein offiziöser Kommentar. Eine solche Perspektive eröffnet (neben ihrer industriellen Bedeutung) auch dem für Mexiko besonders wichtigen Fremdenverkehr neue Möglichkeiten.

Neben diesen Ausstellungsvorbereitungen war im Vorjahr ein eifriges Kommen und Gehen zahlreicher Handelsmissionen zu beobachten: englische, kanadische, schwedische und belgische. Vor allem die besonders rührigen Japaner, die neben eineroffiziellen Handelsmission z. B. auch eine Einladungsmission von zehn Geschäftsleuten für eine Beteiligung an. der Internationalen Mustermesse im Osaka im April 1954 nach ganz Lateinamerika sandten. Die japanischen Repräsentanten heben besonders die Position Japans als unmittelbar nach den USA wichtigster Käufer mexikanischer Artikel hervor, sowie u. a. die Tatsache, daß in den ersten sechs Monaten 1953 die Bilanz des Japangeschäftes zugunsten Mexikos aktiv war. Belgien, das sich in jüngster Zeit mit besonderem Eifer um den mexikanischen Markt bemüht, rechnete vor, daß Belgien, auf die Einwohnerzahl umgerechnet, der stärkste Käufer Mexikos ist: in den ersten sieben Monaten des letzten Jahres bezog Belgien mexikanische Waren im Werte von 4,60 Pesos je Einwohner, die USA in derselben Zeitspanne für 1,50, Deutschland für 0,80, England für 0,60 und Frankreich für 0,50 Pesos. Auch Jugoslawien will seinen Handel mit Lateinamerika aktivieren. Die Skandinavische Handelskammer in Mexiko (Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark) proklamiert ihr gesteigertes Interesse an einer Ausweitung der Import- und Exportbeziehungen und erörtert ebenfalls die Möglichkeiten einer Ausstellung. Die Handelsbeziehungen mit Kanada entwickeln sich auf ansteigender Linie; Ende Oktober wurde der Flugverkehr zwischen Vancouver, Mexiko und Peru aufgenommen, von dem man sich eine beträchtliche Zunahme des Fremdenverkehrs erhofft, und in bezug auf die kanadischen Handelsofferten wird gesagt, daß die Preise kanadischer Waren günstiger seien als die der englischen und der deutschen Konkurrenz ...

Es wäre allzu optimistisch, aus allen diesen Ausstellungs- und Besuchsbemühungen auf eine große Aufnahmefähigkeit und Aufnahmebereitschaft Mexikos als Importland zu schließen. Sie illustrieren weit mehr einen intensiven internationalen Wettbewerb und unterstreichen die Notwendigkeit systematischer Anstrengungen zur Erwerbung und Erhaltung von Handelsverbindungen auf dem mexikanischen Markt, bedeutungsvoll besonders auch als Brücke zu den mittelamerikanischen Ländern.

Die maßgebenden Kreise Mexikos lassen sich bei ihrer Importpolitik in erster Linie vom Gesichtspunkt der Förderung der Industrialisierung des Landes selbst leiten. „Es wird nicht eingeführt, was Mexiko selbst produziert“, ist eine Richtlinie der jüngsten Handelspolitik. Maschinen, Werkzeuge und Ersatzteile, unerläßlich für die industrielle und landwirtschaftliche Eigenproduktion, stehen daher an erster Stelle des Imports. Nach einer Information der mexikanischen „Nationalbank für Außenhandel“ betrug in den ersten sieben Monaten vorigen Jahres der für die Entwicklung der eigenen Industrie bestimmte Import an Maschinen und Material 76 v. H. des Gesamtimports. Im allgemeinen hat sich einstweilen die Industrialisierung für die als Lieferanten in Betracht kommenden Länder als exportfördernder Faktor erwiesen, und wahrscheinlich wird noch eine geraume Zeitspanne verstreichen, ehe die Industrialisierung ein solches Niveau erreicht haben wird, daß man auf Maschinen-, Werkzeug- und Ersatzteil-Import verzichten oder ihn bemerkenswert einschränken kann.

Obwohl Mexiko unter den lateinamerikanischen Ländern den zweiten Platz als Industrieland einnimmt, befindet sich seine Entwicklung zum industriellen Exportland noch in den Anfängen. „Wir müssen“, so erklärte der Präsident der Nationalen Vereinigung der Handelskammern, „unsere verarbeiteten Produkte und Halbfabrikate auf den ausländischen Märkten absetzen.“ Ähnliche Stimmen sind fast täglich vernehmbar. In erster Linie richtet man dabei die Aufmerksamkeit auf Lateinamerika, aber man bemüht sich heute auch um die Wiedergewinnung zentralamerikanischer Kunden. Gegenwärtig werden etwa 75 v. H. des mexikanischen Exports nach Zentralamerika von Guatemala aufgenommen, und zu den Artikeln, mit denen Mexiko in Mittelamerika als durchaus konkurrenzfähig gilt, gehören in erster Linie Medikamente, elektrische Artikel, Eisenröhren, Metallmöbel und auch Textilwaren.