Ich möchte Ihnen sagen, daß mich die Ausführundes Verfassers sehr angesprochen haben. Die Aufgabe des Werbeleiters kann nicht bedeutungsvoll genug angesehen werden. Der Werbefachmann, welcher nicht aufs engste mit dem Unternehmen verbunden ist, wird seine Aufgabe nie erfüllen können. Wenn nicht der Unternehmer bzw. ein Mitglied des Vorstandes oder der Geschäftsführung das Ressort Werbung selbst führt, weil die entsprechende Begabung vorhanden ist, wird es notwendig sein, daß der Werbefachmann des Unternehmens Mitglied der Geschäftsführung sein muß. Nur die Mitverantwortung und die genauesten Kenntnisse über die Lage des Unternehmens und die Zielsetzung in der Produktion ermöglichen eine erfolgreiche Werbung. Konsul Dr. Friedrich Kristinus Kristinus GmbH., München

Der „Werbeleiter von morgen“, wie er von Thomas Tessmann geschildert wird, muß als utopische Gestalt angesehen werden. Es ist die Frage, ob überhaupt jemals ein derartig universell befähigter Mensch für die Werbung gefunden wird, denn er wird sich dann nicht mit der Werbung begnügen, sondern immer die in jedem Falle (auch in der Zukunft) wesentlich wichtige Position des Verkaufleiters innehaben. Dann wird er die Werbung nicht mehr selbst „machen“, sondern sie lediglich „lenken“, und derjenige, der unter ihm ausschließlich für die Werbung tätig ist, wird bei der umfangreichen Arbeit, die nun einmal mit der Werbung verbunden ist, sich mit Recht als Werbeleiter bezeichnen dürfen. Zur Werbung gehört eine ausgesprochene Begabung, die weder eine rein künstlerische, noch kaufmännische, noch technische sein muß. Soziologisch gut fundierte Kenntnisse sind unerläßlich, insbesondere ein gut entwickelter Sinn zur Zusammenarbeit und eine ehrliche Begeisterung für den Beruf, verknüpft mit einem gesunden Empfinden für den eigenen Standort als Werbeleiter im Verbund der angrenzenden Arbeitsgebiete. Es ist nicht verwunderlich, daß es nur wenige vollakademisch ausgebildete Werbefachleute gibt, denn die Werbung als Lebensaufgabe erschließt sich erst in der betrieblichen Praxis, und ich halte nach meinen Erfahrungen diejenigen am meisten für die Arbeit des Werbeleiters befähigt, die eine gediegene praktische Erfahrung auf allen Gebieten des Absatzes von Waren, für die sie werben sollen, besitzen.

Generaldirektor Wilhelm Zangen Mannesmann AG., Düsseldorf

Daß der Werbeleiter kein reiner Graphiker oder Werbetexter sein darf, sondern au fond ein Kaufmann sein muß, der kaufmännisch im Rahmen des Ganzen denkt, ist eine Erkenntnis, die längst Allgemeingut ist. Die Werbung ist eine Dienerin des Verkaufs. Wie könnte sie ihren Dienst versehen, wenn die Verkaufsabteilungen und ihre Leiter nicht auf das innigste mit der Werbeabteilung zusammenwirkten?

Der Ruf nach einer gehobeneren Position des Werbeleiters mag trotzdem berechtigt sein, obwohl er in fortschrittlichen großen Firmen diese Stellung vielfach längst besitzt. Auch ich stimme der Forderung zu, daß der Werbeleiter, mehr als es vielleicht gemeinhin geschieht, schon bei der Entwicklung von Produkten, vor allem bei Konsumgütern und ihrer Verpackung, zugezogen wird. Solange kein eigener Formgestalter im Hause tätig ist, fällt dem Werbeleiter auch eine Aufgabe in dieser Richtung zu.

Abwegig aber finde ich den Gedanken, die Warenwerbung mit der Meinungswerbung (Public Relations) zu verquicken. Hier zeigt sich, wie verhängnisvoll die Übersetzung von „Public Relations“ mit „Meinungswerbung“ ist. „Public Relations“ setzen eine im Grunde andere Denkweise voraus als die Warenwerbung, obwohl sie natürlich in enger Zusammenarbeit mit der Werbeabteilung gepflegt werden müssen. Noch schiefer scheint mir die Idee zu sein, auch Dinge, die zur innerbetrieblichen Beziehungspflege gehören, wie z. B. die Herausgabe der Werkzeitung oder Gestaltung von Betriebsveranstaltungen usw., der Werbeleitung anzugliedern. Das hat nun wirklich mit der eigentlichen Aufgabe der Werbeabteilung, nämlich der Warenwerbung, nicht das geringste zu tun. Typisch deutsch ist der Ruf nach einer Hochschule für Werbung. Als Praktiker kann ich vor einer solchen Institution nur warnen. Werbeleiter wachsen nicht auf Universitäten heran, sondern allein in der Praxis.

Otto A. Friedrich Vorstandsvorsitzender der Phoenix Gummiwerke AG., Hamburg-Harburg