Dem Wochenbericht über die Weltrohstoffmärkte der Hamburger Kreditbank AG, dem Nachfolge-Institut der Dresdner Bank in Norddeutschland, entnommen.

Auf den Weltrohstoffmärkten war die Preistendenz in dervergangenen Woche steigend. Vor allem verzeichneten Kaffee, Kakao, Schmalz und Schellack einen Anstieg der Durchschnittspreise von über 2 v. H. Ein größerer Preisrückgang trat bei Roggen, Jute, Leinsaat sowie bei Häuten und Fellen ein. Kennzeichnend für den Marktverlauf war eine Zurückhaltung der Angebotsseite, sobald eine mengenmäßige Nachfragebelebung eintrat.

Eine ähnliche steigende Tendenz wie auf den Rohstoffmärkten war auch in letzter Zeit an der New Yorker Effektenbörse festzustellen, an der, bei sehr lebhafter Umsatztätigkeit, der Index bestimmter Aktienwerte einen seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr erreichten Höchststand erzielte. Diese Entwicklung dürfte das Vertrauen in einen weiterhin günstigen Konjunkturverlauf in den USA widerspiegeln, das allem Anschein nach auf die psychologische Wirkung der optimistischen Beurteilung der Wirtschaftslage in den Botschaften Eisenhowers zurückzuführen ist. Eine bemerkenswerte konjunkturpolitische Maßnahme war die Senkung des Diskontsatzes, die sich über eine Belebung der Geldnachfrage auf die weitere Entwicklung günstig auswirken kann.

Von den 23 notierten Welthandelsgütern war bei 12 die Tendenz leicht steigend bzw. steigend und bei sechs leicht schwächer bzw. schwächer. Die Preise von fünf der notierten Waren, nämlich Aluminium, Kupfer, Blei, Zink, Kammzüge, waren konstant.

Weizen: An den US-Getreidebörsen zogen die Weizen, notierungen im Vergleich zur Vorwoche an, da infolge ungünstiger Witterungsverhältnisse und unzureichender Boden, feuchtigkeit mit einer geringeren Winterweizenernte gerechnet wird. Außerdem wurde eine Nachfragebelebung durch die Bekanntgabe des Beleihungsstandes, der per 15. Januar 1934 etwa 576,6 Mill. bu Weizen (Vorjahr etwa 476,4 Mill. bu) aus der Ernte 1953 betrug und damit einen neuen Höchststand erreichte, ausgelöst. Im Gegensatz. zur US-amerikanischen Preisentwicklung war der kanadische. Exportpreis rückläufig. Diese Sonderbewegung des US-Weizenmarktes ist auf die Stützungsmaßnahmen zurückzuführen. – Zur Deckung gestiegener Exportkosten wurden in Argentinien die Getreideexportpreise um 2 1/2 v. H. erhöht. Außerdem hat es mit Japan ein Kompensationsabkommen getroffen, in dessen Rahmen es Weizen und Wolle gegen Stahlwaren an Japan liefern wird.

Mais: Nach den neuesten Schätzungen des US-Landwirtschaftsministeriums wird im Wirtschaftsjahr 1953/54 ein Weltmaisertrag von 5,715 Mill. bu gegenüber 5,625 Mill. bu in der vorhergehenden Saison erwartet.

Zink: Am Anfang der Berichtswoche setzte sich an der Londoner Zinkbörse eine Erholung bei einem Verhältnismäßig knappen Angebot in Zink für prompte und baldige Lieferung durch. Auch in New York war die Nachfrage gering. In den USA 1wurden während der Berichtswoche erneut Produktionseinschränkungen der Hütten bekanntgegeben, die mit der ungünstigen Wirtschaftslage dieses Industriezweiges begründet werden. Bei Zink, das gegenwärtig das billigste Metall ist, übersteigt die Welterzeugung den Verbrauch beträchtlich. Vor allem ist der US-Verbrauch rückläufig und hat zu mehrfachen Produktionseins Kränkungen im Bergbau und bei der Hüttenindustrie geführt. Dennoch haben die Zinkbestände Ende Januar 1954 in den USA mit fast 199 000 sht (ohne Regierungsbestände) eine neue Rekordhöhe erreicht.