Mit den letzten Heimkehrertransporten aus der Sowjetunion traf in Friedland auch eine größere Anzahl von europäischen Freiwilligen ein, die während des Krieges in den Reihen der deutschen Wehrmacht an der Front gewesen waren. Bedeutet die Rückkehr aus jahrelanger sowjetischer Gefangenschaft für unsere deutschen Heimkehrer den Abschluß einer unmenschlichen Leidenszeit und den Wiederbeginn eines normalen Lebens, so ist es bei ihren ausländischen Leidensgefährten zumeist ganz anders. Sie stehen in Friedland vor der schweren Entscheidung, ob sie in ihre Heimatländer zurückkehren oder in der Bundesrepublik bleiben sollen. In der Heimat erwartet sie in der Regel eine abermalige Verhaftung, soweit sie nämlich als Landesverräter verdächtigt werden. Bei uns in der Bundesrepublik blüht ihnen das ungewisse Schicksal eines Staatenlosen, da ihnen die heimische Staatsbürgerschaft aberkannt worden ist.

Mehrfach wurden holländische Freiwillige beim Überschreiten ihrer Landesgrenze ins Gefängnis geworfen. Heimkehrer belgischer Nationalität verhaftete belgische Militärpolizei auf deutschem Boden und schaffte sie unter Bewachung nach Belgien. Nach diesen bitteren Erfahrungen wählen die Nachkommenden meist den Aufenthalt in der Bundesrepublik. Sie suchen sich der Fahndung ihrer Heimatländer dadurch zu entziehen, daß sie bei Freunden und Kriegskameraden oder fremden wohlmeinenden Wohltätern in Westdeutschland untertauchen. Die Umstände zwingen sie in die Illegalität. Ihre Zahl geht seit 1945 in die Tausende.

Die Frage, ob die ausländischen Freiwilligen, die in der deutschen Wehrmacht Dienst taten, Landesverrat begangen haben, ist seit dem Zusammenbruch 1945 eindeutig zum Nachteil der Freiwilligen ausgelegt worden. Hohe Freiheitsstrafen und sogar Todesurteile wurden über sie verhängt. Noch heute sind die Gefängnisse in Holland und Belgien voll von ihnen. Nur Dänemark und Norwegen verfuhren milder mit ihnen.

Dabei ist die Tatsache des Landesverrates keineswegs so eindeutig gegeben. Gewiß kamen manche aus Abenteuerlust; andere waren überzeugte Nationalsozialisten. Viele aber wollten durch Kriegsdienst an der Seite des Siegers die Gleichberechtigung ihres Landes gegenüber dem Siegerstaat erkämpfen. Dies ist durchaus nicht neu, denn die Geschichte weist genügend Beispiele ähnlicher Art auf.

Ab 1940 konnten Angehörige der von den Deutschen besetzten Länder als Freiwillige in der deutschen Wehrmacht Dienst tun. Sie taten dies bei allen Wehrmachtsteilen; vornehmlich bei der Kriegsmarine, dem Bodenpersonal der Luftwaffe und bei der Waffen-SS.

Seit 1941 konnten sie dann die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, sofern sie es wollten und ein Jahr Frontdienst getan hatten oder verwundet waren. Viele machten von dieser Möglichkeit Gebrauch. Bei manchen Truppenteilen – so bei der SS-Panzerdivision „Wiking“ – wurden Einbürgerungsanträge besonders zahlreich gestellt und genehmigt. Generell regelte eine Verordnung des Reichsministers des Innern im Jahre 1943 im obigen Sinne das Staatsbürgerproblem der Freiwilligen. Die Staatsbürgerbriefe wurden zwar ausgestellt, aber nicht mehr ausgehändigt und sind im Chaos des Zusammenbruchs größtenteils verbrannt. So ist in den meisten Fällen der Nachweis der Staatsbürgerschaft nicht mehr zu führen.

Betrachtet man heute die Situation, so sind in der Tat Tausende ehemaliger Freiwilliger der deutschen Wehrmacht ausländischer Nationalität in Deutschland, Holland, Belgien, Südtirol in der Regel staatenlos. In der Bundesrepublik sind jetzt Einbürgerungsanträge wohl möglich, aber zeitraubend, umständlich und kostspielig. Vorläufig gelang die Einbürgerung nur wenigen. Sofern Staatenlose heirateten, wurden die deutschen Ehefrauen und die Kinder ebenfalls staatenlos. Ein Zustand, den man nicht generell ändern kann, der aber doch von den Bundesbehörden geprüft werden sollte. J. F.