Hoffnungen auf eine indisch-pakistanische Verständigung in dem Streit um Kaschmir sind durch einen Beschluß der „Verfassunggebenden Ver-Sammlung“ im indischbesetzten Teil Kaschmirs, in dem der Anschluß des gesamten Staates von Jammu und Kaschmir an Indien gefordert wird, erschüttert worden. Im August hatten die Ministerpräsidenten Nehru und Mohammed Ali auf ihrer Zusammenkunft in Neu-Delhi feierlich erklärt, daß „der Streit um Kaschmir in Übereinstimmung mit den Wünschen der Bevölkerung des Staates gelöst werden muß“, das heißt durch eine „faire und unparteiische Volksabstimmung“. Neuerdings scheint es aber der indienfreundliche neue Ministerpräsident Gulam Mohammed des indischbesetzten Teiles von Kaschmir als seine Hauptaufgabe zu betrachten, den Anschluß Kaschmirs an Indien durch die „Gesetzgebende Ver-Sammlung“ ratifizieren zu lassen.

Der pakistanische Ministerpräsident Mohammed Ali bezeichnete den Ratifizierungsbeschluß und die gleichzeitige Erklärung Gulam Mohammeds, daß „keine Macht der Erde, auch nicht der Sicherheitsrat der UNO, in Zukunft unsere Entscheidung anfechten kann“, als eine „Beleidigung der Vereinten Nationen“ und einen Bruch der zwischen ihm und Nehru im August 1953 in Neu-Delhi getroffenen Vereinbarungen. Er appellierte an den indischen Ministerpräsidenten, den Beschluß der „Gesetzgebenden Versammlung“ nicht anzuerkennen, sondern sich an die Vereinbarungen von Neu-Delhi zu halten.

Diese neue Entwicklung im Streit um Kaschmir dürfte dazu beigetragen haben, daß die Vereinigten Staaten jetzt die Fortsetzung der Verhandlungen über den Abschluß eines amerikanisch-pakistanischen Waffenhilfspaktes beabsichtigen. K.