Paris und die Vietminh

Während in Vietnam und Laos der militärische Druck der Vietminh-Streitkräfte sich verstärkt, werden amerikanisches Kriegsmaterial und Bodenpersonal nach Indochina befördert. Das Oberkommando der amerikanischen Luftstreitkräfte gab außerdem bekannt, daß es zwölf leichte Bomber der Type B-26 nach Indochina gesandt habe, denen weitere Maschinen folgen werden. Nach Mitteilungen aus zuverlässiger Quelle hat der französische Staatssekretär für die assoziierten Staaten, Jacquet, dem Kabinett einen wenig hoffnungsvollen Bericht erstattet.

Das französische Kabinett will vor einer Stellungnahme die Rückkehr des Verteidigungsministers René Pleven aus Indochina abwarten. Der französische Generalkommissar in Indochina, Dejean, betonte, Frankreich sei trotz der verschlechterten militärischen Lage in Indochina weiterhin bereit, mit Ho Tschi Minh über einen Waffenstillstand zu verhandeln. Die Regierung beschloß, Außenminister Bidault zu beauftragen, sich in Berlin noch intensiver um das Zustandekommen einer internationalen Konferenz zur Beendigung des Krieges in Indochina zu bemühen.

Syngman Rhee gegen Washington

Die seit Abschluß des Waffenstillstandes bestehenden Spannungen zwischen der südkoreanischen Regierung und Washington haben einen Höhepunkt erreicht. Die Unzufriedenheit der südkoreanischen Regierung kommt in einer Erklärung des Außenministers zum Ausdruck, in der es heißt: „Seit sieben Jahren hören wir Versprechungen, werden uns Pläne über Pläne vorgelegt, aber getan wird nicht viel. Inzwischen stecken die Sowjets und die Chinesen Hunderte von Millionen in den Aufbau Nordkoreas.“ Auch die Versuche des amerikanischen Außenministers Dulles, die gespannten Beziehungen zwischen Japan und Südkorea aufzulockern, sind auf heftige Kritik Syngman Rhees gestoßen, der erklärte, es sei für die ehemaligen Opfer Japans klar, daß Tokios Ambitionen sich nicht geändert hätten, sondern nur zurückgestellt wurden. „Wir halten es für unklug“, sagte Rhee, „daß die Vereinigten Staaten Japan helfen, die stärkste Macht in Asien zu werden.“ Rhees Ausführungen gipfelten in der Forderung, daß Japan als der traditionelle Feind Koreas nicht in einen pazifischen Verteidigungspakt einbezogen werden dürfe. In einem Presse-Interview bezeichnete der südkoreanische Staatspräsident die amerikanische Politik, die auf einen Verhandlungsfrieden mit den Chinesen abziele, als „verfehlt“. Der Gedanke, Korea durch eine politische Konferenz wieder zu vereinigen, sei „lächerlich“. Er sei fest entschlossen, den Krieg gegen die chinesischen Besatzungstruppen in Nordkorea „bald“ wieder zu beginnen. Rhee forderte für Südkorea mindestens den gleichen militärischen Beistand durch Amerika, wie ihn Japan genieße. Südkorea müsse in seiner doppelten Frontstellung gegen den Kommunismus und gegen Japan militärisch gestärkt werden. Für amerikanische Kreise in Seoul kam die plötzliche Ablösung des südkoreanischen Generalstabschefs Paik Sun Yup, der allgemein als der fähigste militärische Kopf des Landes gilt, nicht überraschend. Der Hauptgrund für die Versetzung des Generaloberst auf den weniger wichtigen Posten des Befehlshabers einer Feldarmee muß in seiner engen Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Oberkommando gesucht werden, die das Mißfallen des Staatspräsidenten erregt hat. E. K.