Als nach dem Krieg die deutsche Kunst vor 1933 wiederentdeckt wurde, stieg auch August Mackes Stern glänzend auf. Schon 1947 zeigten die rheinischen Städte unter den ungünstigsten Umständen große Teile seines nachgelassenen Werkes. Die folgenden Jahre haben die erste Wiedersehensfreude nicht getrübt. Im Gegenteil, gemessen an den seither gebotenen Ausstellungen und der jüngst erschienenen Monographie von Gustav Vriesen ist die Wertschätzung Mackes eher noch gestiegen.

Die Gloriole des auf den ersten Schlachtfeldern des Weltkriegs gefallenen Künstlers (Macke fiel 27 Jahre alt, am 26. September 1914 in der Champagne) und die menschliche Liebenswürdigkeit, von der die Freunde berichteten, hätten allein seine hervorragende Stellung in der modernen Kunst nicht begründen können, so gern sich auch die Fama an das biographisch Besondere heftet. Erst die gegenseitige Durchdringung seines Menschentums und seiner Malerei, die Frische seiner Jugend und die frühe Reife seiner Kunst, die undogmatische Aufgeschlossenheit und das sichere In-sich-selbst-Ruhen haben in unserer Rückschau das Bild des Malers Macke geformt, das Franz Marc in die Worte gekleidet hat: „Er hat von uns allen der Farbe den hellsten und reinsten Klang gegeben, so klar und hell wie sein ganzes Leben war.“

Wie kein anderer Maler hat August Macke auch die Sympathie unserer westlichen Nachbarn erwerben können. Man schätzte seine „lateinische“ Art, seine Fähigkeit, zwischen dem deutschen Expressionismus und dem französischen Kubismus eine Brücke zu schlagen und erkannte in ihm die leuchtendste Verkörperung des rheinischen Geistes in der modernen Kunst. Dabei ist Mackes Malerei keineswegs auf „Gefälligkeit“ eingestellt. Sie ist heiter in den Farben, aber nicht süß und erst recht nicht verbindlich. Eine gewisse kühle Distanz und ein Maßhalten bleiben immer spürbar. Macke wollte eben mit diesen hellen, reinen Klängen eine bildnerische Absicht verwirklichen und nicht mit der sentimentalen Empfänglichkeit späterer Betrachter spekulieren. Denn vergessen wir nicht: Mackes Bilder wurden erst nach dem Tode ihres Schöpfers berühmt. Heute sind sie so prominent, daß ein ausländisches Museum, das Gemeente-Museum im Haag, von sich aus eine große Übersicht der Bilder in deutschem Besitz veranstaltete. Eine vorzüglich getroffene Auswahl übernahm jetzt das Städtische Museum in Amsterdam, das die Aquarelle der Jahre 1911–1914 aus dem Besitz der Familie Macke in den Mittelpunkt stellte. In diesen Blättern kommt Mackes „Durchfreuen der Natur“, das heißt die Verwandlung des in der Natur Gesehenen zu freudigen, kühn erfundenen Farbklängen am reinsten zum Ausdruck. Eduard Trier