m. z., Brunsbüttelkoog

Drei Männer stehen am Kai von Brunsbüttelkoog und sehen mit zusammengebissenen Zähnen zu, wie der deutsche Zoll die Ladung ihres Schiffes an Deck bringt: 12 000 Liter geschmuggelter Alkohol aus Holland. Die Zöllner brauchen das Schmuggelgut nicht einmal zu verladen. Sie tragen es die 50 Schritte zum Zollhaus hinüber. Der finnische Splitter aus dem Auge des deutschen Gesetzes ist entfernt. Und Kapitän Nordberg und seinen beiden Gefährten bleibt nicht einmal eine einzige Flasche Genever, ihren Kummer zu ertränken.

Es ist ein schlechter Trost für die drei Männer, daß sie in den letzten 14 Tagen zu einer Sensation geworden sind, und daß nicht nur die Schuljugend von Brunsbüttelkoog in jeder freien Stunde zum Hafen jagte, um den kleinen Kutter und seine Besatzung zu bestaunen.

Der 67 Bruttoregistertonnen große finnische Fischkutter Art unterscheidet sich äußerlich in nichts von einem harmlosen kleinen Boot. Seine Frachtpapiere vermerken eine Ladung holländischer Zwiebeln und Netze für Gdingen. Sie vermerken nicht das unter den Zwiebeln verborgene Geheimnis der Ari: die Kanister mit 12 000 Litern hochprozentigem holländischem Schnaps, der als Schmuggelware nach Schweden gehen soll. Aber das Geheimnis blieb der skandinavischen Zollfahndung nicht verborgen. 14 Tage lang hielt Kapitän Franz Nordberg eine ganze Meute von Jägern in Atem. Wie die Schweden sagen, handelte es sich um die größte Schmugglerjagd seit 30 Jahren.

Während schwedische, dänische, norwegische und finnische Zollkreuzer die westliche Ostsee nach dem finnischen Kutter absuchten, schwamm die Ari mit einem deutschen Lotsen an Bord friedlich auf der Unterelbe.

Jeder Lotse läßt sich die Verantwortung, die er mit dem Schritt auf eine fremdes Deck übernimmt, teuer bezahlen. Er bürgt nicht nur dem Kapitän für sichere Fahrt. Der deutsche Lotse bürgt dem deutschen Zoll dafür, daß während seiner Anwesenheit an Bord keine zollpflichtigen Waren das Schiff verlassen. Schmuggelgut mit ausländischem Bestimmungsziel interessiert ihn allerdings nicht.

Mit seinem deutschen Lotsen an Bord passierte der Kutter unbehelligt die Zollabfertigung. Die Fracht lohnt den Einsatz. Wenn es gelingt, den holländischen Sprit an die schwedische Küste zu bringen, sind sechs Millionen Finnmark verdient.