Was man nach den Vorkämpfen in den Pflichtübungen nicht mehr für möglich gehalten hatte, wurde doch noch in letzter Minute bei dem Kürlaufen Ereignis: die 18jährige Deutsche – und Europameisterin im Eiskunstlaufen, Gundi Busch, schlug alle ihre Konkurrentinnen aus dem Felde und holte sich im Bislet-Eisstadion von Oslo den begehrten Titel einer Weltmeisterin. Ihr Sieg war wirklich nur hauchdünn, der knappste wohl, den es bisher in diesem Wettbewerb gegeben hat – aber er war doch sehr sicher errungen. In den Pflichtübungen war die amerikanische Titelverteidigerin Tenley Albright der jungen, in Köln geborenen, in Mailand aufgewachsenen und auf allen internationalen Eislaufplätzen der Welt heimischen deutschen Sportlerin klar überlegen gewesen.

Die Europameisterin ging diesmal unbeschwert in die entscheidende Kür, sie wußte, sie hatte nichts mehr zu verlieren, aber noch alles zu gewinnen, und vielleicht gab dieses Bewußtsein ihr die Ruhe und Sicherheit, mit der sie diese grandiose Kür auf das Eis zeichnen konnte, für die ihr sechs der sieben Punktrichter die besten Noten gaben. Die Schwierigkeiten des Programms der beiden Läuferinnen wurden zwar gleich gut bewertet, aber, was die Ausführung betraf, stimmte die überwiegende Mehrzahl der Richter für die sympathische Mailänderin aus Köln.

Zwanzig Eisläuferinnen bewarben sich um den Titel, aber die Verteidigerin und ihre gefährlichste Rivalin eröffneten sofort den Reigen, und was dann folgte, war zwar immer noch ausgezeichnetes Kunstlaufen, reichte aber bei weitem nicht an die Leistungen der bevorrechtigten Titelanwärterinnen heran. Allerdings kann die Amerikanerin, die diesmal den kürzeren zog, als Entschuldigung für sich anführen, daß die einmalige Kür Gundi Busch’ mit ihren verwegenen Sprüngen und ihren haargenauen Figuren sie sichtlich benommen und nervös gemacht hätte: Aber schließlich gehören neben Glück auch gute Nerven zum Gewinn einer Weltmeisterschaft. Vergessen wir nicht zu sagen, daß mit diesem Siege sich zum erstenmal eine deutsche Eiskunstläuferin im Einzelwettbewerb der Damen mit Weltmeisterehren schmücken konnte.

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Der Essener Mittelgewichtsboxer, Leo Starosch, verlor zwar bei seinem Kampf in Preston gegen den Engländer Johnny Sullivan, aber sein starker, mutiger und sauberer Kampf beeindruckte nicht nur die Zuschauer außerordentlich, sondern riß die Kritiker der maßgeblichen britischen Zeitungen zu wahren Lobeshymnen auf unseren Landsmann hin. Der Sieger des Treffens selbst meinte: „Ich möchte gegen weitere Deutsche boxen, wenn sie alle solche Sportsleute sind wie Starosch. Er hat seinem Lande und dem Sport Ehre gemacht und er ist ein hervorragender Sportsmann.“ Und der Experte des „Daily Herald“ schrieb: „Die Menge überschüttete den Deutschen mit Beifall, den man bis Berlin hätte hören müssen. Wollen die englischen Zuschauer deutsche Boxer sehen? Wenn Preston der Prüfstein war, kann die Antwort nur ein begeistertes Ja sein.“

Starosch war der erste deutsche Berufsboxer, der nach dem Kriege in England in den Ring steigen durfte. Wir sagen ausdrücklich „durfte“, weil bislang der britische Berufsboxsport einfach die Deutschen boykottierte, nur weil es den beiden Männern, die als die mächtigsten Veranstalter die englischen Ringe souverän beherrschen, einfach nicht paßte, deutsche Boxer auftreten zu lassen. In England mißbilligte man diese Haltung allmählich, doch lange Zeit konnte sich niemand gegen die Veranstalter Jack Solomons und Joe Jacobs durchsetzen. Nun haben sich endlich die britischen Boxenthusiasten von der Bevormundung durch die beiden Sportunternehmer frei gemacht, und das vorbildliche Auftreten Staroschs hat die letzte Schranke gehoben. Statt der prophezeiten Radauszenen ist es zu einer gewaltigen Sympathiekundgebung für den deutschen Berufsboxsport gekommen, und damit eine Angelegenheit aus der Welt geschaffen worden, die das Ansehen des gesamten deutschen Sportes in England herabzustezen drohte. So können wir mit Leo Starosch also letzten Endes doch einen Triumph feiern.