-ter, Stade

Der Regierungspräsident von Stade, Dr. Harm, bewies an einem kalten Wintermorgen kurz hinter der Grenze des Landes Bremen auf der Autobahn Bremen–Hamburg 15 Omnibusfahrgästen, wo nach seiner Meinung in einer Demokratie die Staatsgewalt anfängt und der Privatmann aufhört.

So trug es sich zu –: Der fahrplanmäßige Omnibus Bremen–Hamburg fuhr um sieben Uhr in der Früh am Bremer Hauptbahnhof ab. Er kam aber nur bis kurz hinter Bremens Stadtgrenze, denn dort hielten ihn zehn niedersächsische Polizisten, die drei Mercedes-Wagen entstiegen waren, in vollem Uniform- und Waffenschmuck auf. Die Fahrgäste mußten aussteigen, der Bus wurde nach Bremen zurückgeschickt, die Empörung und die Bitte um Aufklärung von Seiten der Fahrgäste mit Kommandorufen übertönt, und jeder der fünfzehn im wahrsten Sinne des Wortes Überfallenen durfte froh sein, daß die Hüter der Ordnung wenigstens Sorge trugen, sie von der windumwehten Autobahn auf in Richtung Hamburg fahrende Lastwagen und – welch Glück – auch Pkws zu verteilen; wodurch natürlich nicht mehr die versäumte Zeit eingeholt werden konnte. Geschäftstermine und Zuganschlüsse waren verpaßt...

Warum aber hat der Regierungspräsident seine Polizisten von Stade an die Bremer Autobahn geschickt? Weil der Autobusunternehmer Rammelmann für die Bundesbahn und den Regierungspräsidenten ein enfant terrible seiner Zunft, es versäumt hatte, eine ihm vom Oberverwaltungsgericht Lüneburg auferlegte Sicherheitsleistung in Höhe von 4000 DM pünktlich in Stade einzuzahlen. Im normalen Geschäftsverkehr pflegt man in solchem Fäll eine Zahlungsaufforderung zu schicken, bevor man drastische Maßnahmen ergreift. Eine Zahlungsaufforderung kostet zwanzig Pfennig und eine Berliner Notopfermarke, vielleicht noch die Einschreibgebühr. Sie kostet aber bei weitem weniger als das Aufgebot von zehn Polizisten in drei Mercedes-Wagen.

Sollte Regierungspräsident Harm schon nicht daran gedacht haben, daß es friedliche Fahrgäste auf der Reise nach Hamburg nichts angeht, wenn der Staat einen Kleinkrieg mit einem Busunternehmer führt, dann hätte er wenigstens daran denken sollen, daß es den Steuerzahler etwas angeht, ob an Stelle von 22 Pfennig Markscheine zumindest für das Benzin von drei Mercedes-Wagen ausgegeben werden – nutzlos ausgegeben –, denn der Autobusunternehmer hat seine 4000 DM inzwischen bezahlt.