Als die rührige und wendige Bremer Goliath-Werk GmbH auf der vorjährigen Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt überraschend bei ihrem Zweitaktmotor mit der Benzineinspritzung aufwartete, stand die Masse der deutschen Pkw-Fahrer dieser Neuentwicklung verhältnismäßig ratlos gegenüber, zumal man Einspritzpumpen bislang in erster Linie nur bei Hochleistungs-Viertaktmotoren einbaute. Die anfängliche Ratlosigkeit hat sich aber sehr bald in eine uneingeschränkte Zustimmung verwandelt. Das beweisen allein schon die Produktionszahlen des Werkes, das heute bereits 90 v. H. seiner Pkw-Erzeugung serienmäßig mit der Benzineinspritzung versieht, die gemeinsam mit der Robert Bosch AG. entwickelt worden ist.

Der Übergang zur Benzineinspritzung auch beim Zweitaktmotor hat dem Goliath-Pkw einen unübersehbaren Vorteil gegeben. Nicht nur daß die Leistung des Motors gegenüber dem gleichen Motor ohne Benzineinspritzung auf 29 PS erhöht und der Kraftstoff-Normverbrauch gleichzeitig auf 5,9 1 je 100 km gesenkt werden konnte, der Wagen wurde auch als Folge dieser „Zugabe“ noch weit temperamentvoller und „spritziger“. In Verbindung mit seiner ansprechenden Form, der ebenso eleganten wie bequemen Innenausstattung und der überraschenden Geräumigkeit konnte sich der „GP 700 E“ daher im Inland wie auch im Ausland schnell einen beachtlichen Marktanteil sichern. Von den 2000 Werksangehörigen wurden im Vorjahre – einschl. des Vierrad-Lieferwagens „Expreß“ und des Dreirad-Lieferwagens – 9749 Einheiten produziert. In diesem Jahre wird man jedoch mit weit höheren Ausstoßziffern rechnen müssen. Waren es im November noch 641 Einheiten, so wurden im Dezember bereits 749 und im Januar schon 846 hergestellt, Grundsätzlich gehen 20 v. H. der Goliath-Erzeugung ins Ausland, wo der europäische Markt mit Schweden, den Benelux-Ländern und Dänemark an dominierender Stelle steht. Seit langem hat die Goliath-Werk GmbH zur Versorgung des belgischen Marktes in Brüssel ein eigenes Montageunternehmen, das über eine Monatskapazität von 100 Einheiten verfügt. Besonders stolz ist man in Bremen auf die Exporterfolge nach Nordafrika, nach Chile, Uruguay, Syrien und – last not least – nach Japan.

Recht zuversichtlich beurteilt man in den Goliath-Werken übrigens die künftige Entwicklung des Dreirad-Wagen-Geschäfts. Das Werk bestreitet mit seiner Produktion an Dreirad-Lieferwagen über 60 v. H. der deutschen Gesamtproduktion dieses Typs und kann eine durchaus normale Absatzentwicklung feststellen. Auch der Export der Goliath-Dreirad-Lieferwagen hat nach wie vor gute Chancen. Sein Vorzug, einen Hinterachs-Antrieb zu besitzen, ist für den Export nach vielen Ländern ein gewichtiger Pluspunkt.

Auf das Verdienst, der Benzineinspritzung beim Zweitaktmotor zum Siegeszug verhalfen zu haben, kann die Goliath-Werk GmbH sehr stolz sein. Daß aber auch der Goliath-Pkw ohne Benzineinspritzung durchaus nicht ganz „ohne“ ist, beweist der imponierende Erfolg, den ein Serienwagen mit Vergasermotor in Australien errang: bei der Teilnahme an dem Australischen Transkontinentalen Rekord Melbourne-Perth siegte ein Bremer Wagen. Mit 46 Stunden und 58 Minuten (80,6 km/st im Schnitt) und einem Benzinverbrauch von 6,4 1 Gemisch auf 100 km stellten seine Fahrer auf der 3790 km langen Strecke einen neuen Non-stop-Rekord auf, der internationale Beachtung fand. Willy Wenzke