Dd., Frankfurt

Die kleine Klosterkirche von Michelstadt-Fürstenau (entstanden zwischen 827 und 840), die seit der Reformation allerlei profanen Zwecken diente und seit 1949 wieder als Baudenkmal der Besichtigung offensteht, hatte sich der Vertraute des großen Karl, der Biograph Einhard, ursprünglich zur letzten Ruhestatt ausgewählt. Die Gebeine des heiligen Petrus und des Marcellinus – zweier später Märtyrer – fanden aber in dem Kreuzgewölbe zu Fürstenau keine Ruhe; sie begannen zu bluten. Einhard brachte sie daraufhin um 829 nach Seligenstadt und überließ die Michelstadter Kirche ihrem Schicksal: sie blieb ein Vierteljahrtausend ungeweiht. In Seligenstadt errichtete er dann die prächtigere Abteikirche, in der er 840 begraben wurde. Sie blieb im Gegensatz zu dem Michelstadter Bau bis auf unsere Tage Gotteshaus, erlebte manchen Umbau und in diesen Tagen als katholische Pfarrkirche des Mainstädtchens eine gründliche Renovierung.

Dabei stellte sich heraus, daß das aufgehende Mauerwerk aus karolingischer Zeit in den Längsschiffen noch bis unter den Dachansatz erhalten ist. Damit war zwar nicht erwiesen – wie die lokalpatriotische Presse des hessischen Landkreises Offenbach fortgesetzt kühn behauptet –, daß in Seligenstadt „die einzige, wirklich erhaltene Basilika nördlich der Alpen“ steht, wohl aber, daß diejenige unter den drei Kirchen von Aachen, Michelstadt und Seligenstadt, die den Typ der Basilika am reinsten verkörpert, die letztgenannte ist.