Zweimal kurz hintereinander werden auf der großen Bühne des Berliner Schiller-Theaters historische Schauplätze aus dem 17. Jahrhundert aufgebaut. Das eine Mal stellt der in dir Schweiz lebende Österreicher Fritz Hochwälder das Jahr 1629, das andere Mal der Amerikaner Arthur Miller das Jahr 1692 ins Zentrum einer dramatischen Historienmalerei. Ob es der vertrackte Zufall will oder die dramaturgische Lust am Vergleich – in beiden für Deutschland völlig neuen Stücken geht es im geschichtlichen Gewande um den Glauben und – wie die ansonsten ganz verschiedenen Autoren in Randbemerkungen zu ihren Stücken mindestens klarmachen wollen – um Bezüge zur Zeit.

Hochwälders "Donadieu" hat einen geschichtlich nachweisbaren Vorgang, wie er bei Conrad Ferdinand Meyer in "Die Füße im Feuer" nachzulesen ist. Der blutige Ausrottungsprozeß zwischen dem Papismus Österreichs und dem Genfer rechtgläubigen Calvinismus ist der Hintergrund für eine Episode, in der Donadieu zwei Akte lang mit alttestamentarischer Rechtlichkeit zu Werke geht, die Bluttat an seiner Frau und seinem Dorfe rächend, um im dritten Akt vom Haß in die verzeihende Buße, Von – der Gewalt des Zorns in die sich unterwerfende Versöhnung überzugehen. Erleichtert wird diese mit psychologischen Mitteln schwer zu begründende Wandlung durch den Vertreter der katholischen Seite, der im Gegensatz zu seinem mordsüchtigen Gefährten die eigene Partei vom Fall ins Moralisch-Rechtlose freihält.

Hochwälder ist vor ein paar Jahren mit seinem Jesuitenstück "Das heilige Experiment" als ein Mann bekanntgeworden, der das dramatische Handwerk außerordentlich geschickt versteht. Nach "Donadieu" wird man sagen müssen, daß ihm obendrein offensichtlich an einer direkten moralischen Ansprache auf der Bühne liegt. Doch zur dramatischen Motivierung seiner auf Versöhnung und Einsicht zielenden These, daß Recht und Erkenntnis nicht auf einer Seite allein seien, fehlen ihm sichtlich die Argumente der Überzeugung. Man muß bei diesem neuen Stück ständig an Schiller denken und daran, wie überredend dort die Geschichte auf den Zuschauerraum einwirkt. Da preist man mehr die dialektische Sprache des Klassikers, während Hochwälders Diktion eher, um den Vergleich zu Ende zu führen, in der Nähe der Moritaten Wildenbruchs verbleibt. Für Ernst Deutsch war es gewiß eine neue Gelegenheit, der Reihe seiner großen Bühnengestalten eine neue mit singendklingendem Tonfall hinzuzufügen; aber Boleslaw Barlog, der Herr des Hauses, bot der aufdringlichen Pathetik zuviel.