Wir hörten:

Karneval ist ein Fest lebhafter Geselligkeit. Wer nicht „dabei“ ist, kommt meist nicht „in Stimmung“. Wohl wird sich mancher Hörer in den karnevalslosen Gebieten freuen, gelegentlich dies und jenes vom Treiben bei den Karnevalssitzungen, den Umzügen und den Redouten zu erfahren, und sich an der guten Laune der Karnevalisten zu ergötzen (so zum Beispiel bei einer sehr lustigen Festsitzung in der Düsseldorfer „Bütt“). Aber ob das sein einziger Wunsch ans Funkprogramm dieser Wochen ist? In manchen Funkhäusern scheint man das zu meinen. Da werden Tag für Tag die Abendprogramme den Faschingsveranstaltungen gewidmet, und nicht nur auf der Mittelwelle, sondern auch auf der Ultrakurzwelle (so daß ein Ausweichen auf andere Sendungen für die meisten süddeutschen Hörer unmöglich ist). Eine rühmliche Ausnahme macht der Ultrakurzwellensender Nord des NWDR, der diesmal wirklich dem Zweck der Ultrakurzwelle gerecht wird: ein „zweites Programm“ zu bieten. Dafür herrscht auf der Mittelwelle der Karneval so unbeschränkt, daß sich die alte und gewiß ehrwürdige Tradition der „Narrenfreiheit“ dieser Tage als eine Art Programmdiktatur über alle Nichtkarnevalisten auswirkt. Das ist bedauerlich, weil es dem Funk manche Hörer wieder entfremden konnte, die er durch seine lebendige und zuverlässige Berichterstattung von der Berliner Konferenz gewonnen hatte. Hier zeigte sich übrigens auch der Fernsehfunk von seiner stärksten Seite – sowohl in der „Tagesschau“ wie in den Sonderberichten, von denen vor allem das charmante Gespräch zwischen Madame Bidault und der immer schlagfertigen Meisterinterviewerin Dagmar Spaeth ein Kabinettstück war.

Wir werden hören:

Donnerstag, 25. Februar, 21.00 aus Bremen:

Was würden viele darum geben, wenn sie sich mit eigenen Ohren überzeugen könnten, wie Paganini Geige oder Liszt Klavier gespielt haben! Aber erst die Schallplatte und neuerdings das Magnetophonband erlauben solche Exkursionen in die Vergangenheit und die Konfrontation heutiger Virtuosen mit früheren, wie sie die zweistündige Sendung „Zauberin Geige“ bietet. Ihre Aufnahmen reichen von Kreisler, Hubermann und Adolf Busch über Kulenkampff und Thibaud bis zu Georges Enesco und Jascha Heifetz.

20.00 ans München: Kerl Böhm musiziert mit den Münchner Philharmonikern Mozart (Haffner-Symphonie), Strauß („Don Juan“) und Dvořak (5. Symphonie). – 21.00 aus Stuttgart: Gerhard Taschner spielt das Violinkonzert von Brahms. – 22.00 vom RIAS: Platten aus dem „Rosenkavalier“ mit Lotte Lehmann, Maria Olczewska, Elisabeth Schumann und Richard Mayr. – 22.20 aus Frankfurt: Lutz Besch erörtert stilkritisch die „Grenzen und Möglichkeiten der Anthologie“. – 22.30 aus Stuttgart: Stephen Spender, der englische Lyriker, spricht eigene Gedichte.

Freitag, 26. Februar, 22.35 aus Frankfurt: