E. A. G., Rotterdam, im Februar

Die holländische Wirtschaft hat 1953 nicht schlecht abgeschnitten. Wenn man will, kann man das zurückliegende Jahr sogar als ausgesprochen günstig bezeichnen, wobei gewiß von ausschlaggebender Bedeutung ist, daß für die weitere Entwicklung eine durchaus positive Prognose gestellt werden kann. Jedenfalls erwarten führende Wirtschaftskreise in Holland nach dem bisher Erreichten eine ruhige Horizontalentwicklung. Bisher stand die holländische Wirtschaft im Zeichen der Expansion; Produktion und Konsum stiegen, während die Arbeitslosigkeit, die ohnedies keinen besorgniserregenden Umfang hatte und höchstens jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen war, im allgemeinen zurückging. Es entstand allmählich ein Gleichgewichtszustand, der Hollands Wirtschaft weitgehend widerstandsfähig machte. In Zahlen ausgedrückt: der allgemeine Produktionsindex (ohne Baugewerbe) lag 1953 im Durchschnitt höher als im Vorjahr. Im Oktober 1953 betrug er (1938 = 100) 181, gegenüber einem Mittel von 147 in 1952 und 145 in 1951. Die Arbeitsleistung je Arbeiter war um etwa 10 v. H. höher als 1952. Praktisch trugen alle Wirtschaftszweige zur Erhöhung der Gesamtproduktion bei; So stieg, um nur einige Beispiele zu nennen, die Produktion in der Textilwirtschaft um 21 v H., im Baugewerbe um 17 v. H., in der Konfektion um 12 v. H. und in der Metallindustrie um 10 v. H.

Der Außenhandel übertraf das Vorjahr um rund 20 v. H. Zwar lag das durchschnittliche Deckungsverhältnis etwas niedriger als 1952 (91 v. H. gegen 95 v. H.), doch ist dabei zu berücksichtigen, daß 1952 die Einfuhr gedrosselt werden mußte und die Ausfuhr im Vergleich zu früheren Jahren nur langsam zunahm. Bezeichnend für die wirtschaftliche Gesundung des Landes ist aber die bemerkenswerte Zunahme der Gold- und Devisenbestände als Rückgrat der holländischen Wirtschaftspolitik. Von 1,7 Mrd. Gulden Ende 1951 wuchsen diese Bestände bis Mitte Dezember 1953 auf rund 4,4 Mrd. Gulden an.

An einer Förderung der Wirtschaft hat es gewiß nicht gefehlt. So wurde der Dividendenstopp abgeschafft, desgleichen die Besteuerung von Spekulationsgewinnen. Gewisse Steuererleichterungen werden sich allerdings erst in nächster Zeit auswirken, während andere (Herabsetzung der Luxussteuer) einen unmittelbaren Auftrieb in einzelnen Produktionsbereichen bewirkten. Daß auch die Börse auf die günstige Wirtschaftslage reagierte, ist selbstverständlich. Dies kam in erster Linie in den höheren Aktienkursen zum Ausdruck. Der Obligationsmarkt stand ebenfalls im Zeichen anziehender Kurse. So erreichte die große holländische Staatsanleihe 1947 (3 bis 3 1/2 v. H., Laufzeit 53 Jahre) nach einem Tiefstand von 79 3/4 v. H. in 1951 im Vorjahr nahezu den Parikurs. Ähnlich erging es auch anderen Anleihen.

Auf Grund der verbesserten Zahlungsbilanz konnte Holland seine Einfuhrbeschränkungen aus dem Dollarraum ganz wesentlich lockern, während die Ausfuhr nach den USA heute höher ist als etwa die Italiens. Berücksichtigt man schließlich noch, daß sich der holländische Gulden heute ohne amerikanische Wirtschaftshilfe bei erweitertem Devisen- und Handelsverkehr unter die Hartwährungen eingereiht hat, dann läßt sich die Zuversichtlichkeit der Holländer im Hinblick auf das neue Jahr durchaus verstehen.

Der erhöhte Geldumlauf hatte in Holland auf Lebenshaltungskosten und Löhne keinen Einfluß. Um die auf den Weltmärkten errungene und erfolgreich behauptete Wettbewerbsposition (die hauptsächlich durch wettbewerbsfähige Preise und diese wiederum durch relativ niedrige Löhne bedingt wird) nicht preisgeben zu müssen, wird immer noch eine ziemlich straffe Lohnüberwachungspolitik geführt, auch wenn gerade in letzter Zeit von der Privatwirtschaft gewisse Lockerungen anstrebt werden. Lediglich im Zuge der in mäßigen Grenzen gehaltenen Mietpreiserhöhung, die am 1. Januar in Kraft trat, hat die holländische Regierung eine fünfprozentige Lohnerhöhung zum Ausgleich zugestanden.