Eine Möbelmesse ist nicht nur ein wirtschaftliches Ereignis. Sie kann sich darum auch nie einer Stilkritik entziehen. Die soeben beendete Kölner Möbelmesse (19. bis 22. Februar) konnte es um so weniger, als gerade in den letzten Wochen von der holzverarbeitenden Industrie harte Worte gegen den kurvenreichen „Gelsenkirchener Barock“ fielen. – Die 460 in Köln vertretenen in- und ausländischen Möbelaussteller mußten es sich gefallen lassen, daß sich das Interesse weniger auf ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit (die Preise wurden ohnehin weitgehend als stabil bezeichnet), als vielmehr auf ihre mehr oder weniger gelungenen Stilentwicklungen konzentrierte. In dieser Beziehung kann man allerdings von Überraschungen im positiven wie auch im negativen Sinne nicht sprechen. Quantitativ überwog in Köln noch der „Neo-Barock“, wenn auch gewisse Glättungen der bisher üblichen runden Formen festzustellen waren. Im Vergleich zur Möbelmesse 1952 scheinen sich die Gewichte der Stilrichtungen doch langsam zu verlagern, die modernen und formschönen Möbel gewinnen vielleicht allmählich an Kaufinteresse. Die westfälisch-lippischen Möbelhersteller haben zwar die „Prachtschränke“ für die Wohnküchenkombinationen noch nicht aufgegeben. Aber immerhin wagten sie es in Köln, neben ihre üblichen Serienfabrikate auch einmal einen etwas moderneren Bücherschrank zu stellen. Die „Mainlinie“, die bei der Möbelmesse 1952 noch sehr auffiel, war in diesem Jahr nicht mehr so stark zu spüren. Von beiden Seiten des Mains scheint man „Übertretungen“ gemacht zu haben. Es ist allerdings fraglich, ob dies auf die Dauer für die noch immer mit Abstand führenden württembergischen Fabrikate von Nutzen sein kann. Ein Vergleich mit den ausländischen Angeboten fiel in allen Formen für die deutschen Hersteller günstig aus.