Das Belgrader kommunistische Hauptorgan Borba hat entdeckt, daß der bisher hoch gerühmte Dichter Oskar Davitscho „unter dem Deckmantel der Kunst Konzeptionen in die Öffentlichkeit geschmuggelt hat, die das Zentralkomitee auf seiner II. Vollsitzung verdammt hatte...“ Davitscho hatte in Gedichten die jugoslawische Wirklichkeit als „völlige Nacht“ gekennzeichnet: „... diese Finsternis der Neuerer, die alles mit Gewerkschaftsgeld kaufen..., in der die Proletarier gleichgemachte Weiber vergewaltigen, gebührenfrei, anstatt wie früher in die öffentlichen Häuser zu gehen ..., in dieser Nacht ist keine Gaunerei mehr das Monopol reicher Leute; alle Übel sind gleichberechtigt, in dieser Nacht, in der sich (nämlich durch den Übergang zum Sozialismus) nichts geändert hat, oder höchstens eine Kleinigkeit...“

Diese Ergüsse kommunistischer Selbsterkenntnis konnten natürlich der Borba nicht gefallen, die die Veröffentlichung eines solchen Buches in einem staatlichen Verlag als „unglaublich“ bezeichnete. So wird Davitscho entthront werden. Noch vor einem halben Jahr war er ein gefeierter Mann, als sein Roman „Pesma“ erschien. Daß dieser Roman reichlich pornographisch war, störte damals nicht im geringsten. Jetzt wird man dies wahrscheinlich als „bürgerlichen Konformismus“ bezeichnen. F.