DasEMNID-Institut für Meinungsforschung in Bielefeld hat eine Befragung von Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren durchgeführt. In etwa 1500 Gesprächen versuchten die Mitarbeiter die seelische Situation der Befragten zu ermitteln. Das Ergebnis war ein ganzes Buch mit einer Fülle von Themen. Wir greifen hier nur eines heraus: Was liest unsere Jugend?

Das Ergebnis der Befragung widerlegt zunächst die weitverbreitete Meinung, daß die Jugend an der Zeitungslektüre wenig interessiert sei. Die Befragung ergab, daß von den männlichen Jugendlichen 76 v. H. und von den weiblichen 74 v. H. Zeitungen lesen und daß sich 21 v. H. der männlichen Jugendlichen für den politischen Teil interessieren. Das größte Interesse gilt allerdings, wie zu erwarten war, dem Sportteil (24 v. H. der männlichen Befragten), und erst an dritter Stelle steht der Heimatteil. Für Kurzgeschichten und Feuilleton, literarische und kulturpolitische Aufsätze interessiert sich ein Zehntel der Jugendlichen.

Am stärksten ist das Interesse der jugendlichen Leser für Reportagen und Bilder.

Für Bücher zeigte sich etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen interessiert. Bevorzugt werden Familienromane; erst an zweiter Stelle fanden Abenteuer- und Indianergeschichten und Reisebeschreibungen das Interesse der Jugendlichen; dann folgt leichte Unterhaltungsliteratur. Moderne anspruchsvollere Literatur lesen nur 4 v. H. Hier ergeben sich verständlicherweise größere Unterschiede nach der Schulbildung. Von den Oberschülern interessierten sich 12 v. H. für anspruchsvollere Literatur. Groß ist überall das Interesse für Lebensbeschreibungen und biographische Romane. Wenig Anklang finden bei der Jugend Kriegsbücher und Kriminalromane (2 v. H.).

Unter den Romanen, die es den Jugendlichen angetan haben, findet man berühmte Titel: „Vom Winde verweht“, „Ostwind – Westwind“. Unter den Meistern des klassischen Romans wurden Tolstoj, Maupassant, Balzac, Dickens, Storm vor allen anderen genannt. Von den neueren Autoren geisteswissenschaftlich-philosophischer Bücher standen die Namen von Ortega y Gasset und Friedell obenan.

R. S.