Hundert Atombomber in Marokko

Amerika hat die Zahl der in Französisch-Marocko stationierten Atom-Düsenbomber vom Typ B-47 auf hundert erhöht. Wie der Kommandeur des Fliegerhorstes Sidi Slimane mitteilte, sind die Bomber in der Lage, im Falle eines Krieges Atom- und Wasserstoffbomben über Tausende von Kilometern hinweg ins feindliche Hinterland zu tragen. Die Bomber werden nicht in Verbänden fliegen, vielmehr wird jedes Flugzeug mit einer Atombombe ein bestimmtes Ziel anfliegen.

Fernöstliche Reaktionen auf Berlin

Die Regierungen Süd-Koreas und Formosas sind sich in der Ablehnung der in Berlin beschlossenen Konferenz über Korea und Indochina einig. Außenminister George Yeh erklärte in Taipei, die nationalchinesische Regierung könne keine ihre Interessen berührenden Beschlüsse anerkennen, die in Genf auf einer Konferenz mit dem kommunistischen China getroffen werden. Die halbamtliche südkoreanische Zeitung „Koreanische Republik“ bezeichnete den Beschluß der vier Außenminister als einen „Versuch, sich der im Waffenstillstandsvertrag übernommenen Verantwortung zu entziehen und eine Lösung der koreanischen Frage um jeden Preis herbeizuführen“. Der Oberbefehlshaber der südkoreanischen Armee ist in Saigon eingetroffen, um Vietnam zur Annahme des Angebotes von Syngman Rhee zu bewegen, der eine südkoreanische Division nach dem indochinesischen Kriegsschauplatz entsenden will. Der französische Generalkommissar Dejean hat das Angebot bereits abgelehnt. Vietnamesische Regierungskreise äußerten sich zu dem Plan der Genfer Konferenz zustimmend. Vietnam sei jedoch nur dann zur Einstellung der Feindseligkeiten bereit, wenn es an den Friedensverhandlungen teilnehme und keine Regelung ohne Zustimmung der drei indochinesischen Staaten getroffen werde. Auch müsse China auf jede weitere Unterstützung der Vietminh verzichten, und eine solche Verzichterklärung müßten die Westmächte garantieren.

Die amerikanischen Stützpunkte

Im Bewilligungsausschuß des amerikanischen Senats gab der aus Spanien zurückgekehrte Senator Chavez Maßnahmen im Rahmen des amerikanisch-spanischen Stützpunktabkommens bekannt. Der Hafen von Cadiz soll die Versorgungsbasis für die übrigen amerikanischen Stützpunkte in Spanien werden. Eine 600 Kilometer lange Röhrenleitung für Flugzeugbenzin soll Cadiz mit El Copero bei Sevilla und mit Torrejon bei Madrid verbinden. Cadiz wird auch, das Zentrum eines ganz Spanien umfassenden Luftwarn- und Flugkontrollnetzes werden, das sich an ähnliche Netze der amerikanischen Luftstreitkräfte in Europa und Afrika anschließen soll. Ferner wird zwischen den Stützpunkten in Spanien und denen in Südeuropa ein Funk- und Fernsprechnetz errichtet. Der Senator erhob die Forderung, das amerikanische Aißenministerium solle sich trotz der „kurzsichtigen“ britischen und französischen Opposition nachdrücklich für eine Aufnahme Spaniens in die Atlantikpakt-Organisation einsetzen.

Englands Wehrprogramm

Das Weißbuch der britischen Regierung über das Wehrprogramm ist am gleichen Tage veröffentlicht worden, an dem die Presse den Fehlschlag der Berliner Konferenz bekanntgab. Das ist kein Zufall, denn nichts konnte dem englischen Steuerzahler die Notwendigkeit unverminderter Rüstungsanstrengungen besser beweisen als das negative Ergebnis von Berlin. Das Weißbuch enthält denn auch die Feststellung, daß die Fernziele des Weltkommunismus unverändert sind. Eine lange Periode des Kalten Krieges sei wahrscheinlicher als der Ausbruch eines heißen Krieges, jedoch könne mit dessen Verhütung nur dann gerechnet werden, wenn die Rüstungsanstrengungen der Westmächte fortgesetzt würden. Die Royal Air Force wird mit Bombenflugzeugen zur „vollen Ausnutzung der Atomwaffe“ ausgerüstet werden. Die Entwicklung ferngesteuerter Geschosse ist so weit fortgeschritten, daß die Luftwaffe innerhalb der nächsten zwölf Monate ihre bereits frontreifen Jagdflugzeuge mit Überschallgeschwindigkeit mit dieser Waffe ausrüsten kann. Die Ausrüstung des Heeres und der Marine mit Atomwaffen, die in England hergestellt sind, hat bereits begonnen. Die britische Regierung betrachtet es als eine Verteidigungsmaßnahme von „größter Wichtigkeit“, daß die Stärke der britischen Streitkräfte auf dem europäischen Kontinent aufrechterhalten wird. Eine allmähliche Verminderung dieser Truppen scheine jedoch infolge der sich ständig verbessernden Bewaffnung und angesichts des Aufbaus einer strategischen Eingreifreserve in der Heimat durchaus, möglich zu sein. E K