z., Hamburg

In diesen Tagen wird dem Hamburger Honorarkonsul der Dominikanischen Republik, Herrn Otto Larssen, ein hoher dominikanischer Orden verliehen. Vor vier Wochen noch hatten Nichthamburger mit Staunen zur Kenntnis genommen, daß sowohl Bürgermeister Kaisen von Bremen als auch der Bürgerschaftspräsident Schönfelder in Hamburg höflich, aber entschieden das ihnen vom Bundespräsidenten dargebotene Bundesverdienstkreuz ablehnten. Warum – so fragt der Ahnungslose – warum einen Orden aus Santo Domingo, und nicht aus Bonn? Und der Ahnungslose wird belehrt: Es geht in Hamburg nicht darum, welche Orden einer annimmt, sondern wer Orden annimmt. Nach einem alten hanseatischen Gesetz nehmen Bürgermeister und Senatoren (das galt für Lübeck und Bremen gleichermaßen) von keiner Macht der Erde Orden an. Hamburg hat auch außer dem Hanseatenkreuz im ersten Weltkrieg in seiner ganzen Geschichte keinen Orden gestiftet. Der Grund: Orden passen zum Wesen der hamburgischen Staatslenker ebensowenig wie Titel. (Der einzige Titel, den es je in Hamburg gegeben hat, war die sonst nur den Hochschulrektoren gebührende Anrede „Magnifizenz“, die dem amtierenden Bürgermeister und dem Syndikus des Senats zukam.)

Orden und Titel tragen nach hanseatischer Ansicht, wenn nicht die Gefahr, so doch den Verdacht des „Fürstendieners“ ein. Deshalb haben es Hamburger Bürgermeister und Senatoren immer verstanden, die ihnen aus Unwissenheit des Verleihers drohenden Orden in liebenswürdigster Form abzulehnen. Sie fuhren nicht schlecht dabei. Noch heute essen die Nachkommen des Senatssyndikus Merk von dem (75teiligen) Sèvresporzellan, das Napoleon III. dem Ahnherrn an Stelle eines Ordens überreichte.

Bei Kaiser Franz Josefs Jubiläum in Wien konnte der preußische Gesandte v. Tschirschky im letzten Augenblick verhindern, daß der alte Kaiser das dem Hamburger Bürgermeister zugedachte Großkreuz zum Leopoldsorden mit einem Korb zurückbekam. Dank der rechtzeitigen Intervention erhielt Bürgermeister Burchard ein in Perlen und Diamanten gefaßtes Bild des Monarchen, dessen höchsteigene Unterschrift dem Geschenk einen ungeheuren Wert gab.

Gerade besagter Bürgermeister Burchard hielt streng auf Etikette und war sehr daran interessiert, daß die nichtregierenden Bürger der Freien Hansestadt die ihnen zukommenden Orden bekamen. Mancher alte Hamburger besitzt eine stattliche Ordenssammlung. „Getragen? Nein, getragen habe ich ihn nur einmal“ erwiderte einer von ihnen und blickte auf den prächtigen abessinischen Orden in seiner Hand. „Das war auf einem Empfang bei meiner Großmutter. ‚Igitt, wie ordinär‘ – sagte sie empört. Und seitdem habe ich aus Pietät die Orden im Schrank gelassen.“