B. R.-H. Düsseldorf

Frau Kultusminister Christine Teusch dürften in den letzten Wochen verdächtig die Ohren geklungen haben. Die Empörung vieler dürfte bis in die Räume ihres Ministeriums gelangt sein.

Anlaß dazu war ein Erlaß der Ministerin, daß an die Absolventinnen der Frauenoberschulen nicht wie bislang seit Jahrzehnten üblich ein „Reifezeugnis“, sondern nur ein „Abschlußzeugnis“ gegeben werden darf. Der Erlaß erschien gedruckt im Amtsblatt Anfang Februar und er verfügte „ab sofort“ die neue Regelung. Die diesjährigen Oberprimanerinnen der Frauenoberschulen steckten bereits mitten in den Prüfungen. Mittendrin also und ohne vorherige Warnung wurde das von ihnen mit Fleiß, Schweiß und Eifer angestrebte Stück Papier durch ministeriellen Erlaß kurzerhand von einem Zeugnis der Reife zur Abschlußbescheinigung degradiert.

In den über 60 Frauenoberschulen des Landes herrschte heller Aufruhr, nicht nur bei den akut betroffenen diesjährigen Abiturientinnen, sondern auch bei den nachfolgenden Jahrgängen, die plötzlich vor eine völlig neue Situation gestellt wurden. Die Elternbeiräte und Schulpflegschaften fühlten sich brüskiert und vor den Kopf gestoßen, denn das Schulgesetz schreibt Befragen der Elternschaft vor wichtigen Änderungen im Aufbau des Schulwesens vor. Sie sprechen von Diskriminierung der Frauenoberschulen, Vorspiegelung falscher Tatsachen und ministerieller Diktatur.

Das Küchen- oder Puddingabitur, wie es von seinen Gegnern gern genannt wird, steht schon seit geraumer Zeit im Trommelfeuer der Meinungen. Die Ausbildung läuft parallel zum wissenschaftlichen Gymnasium ab Untertertia, mit gleichfalls sechs Schuljahren, aber mit einem reduzierten wissenschaftlichen Lehrplan zugunsten praktischer, hauswirtschaftlicher, musischer und naturwissenschaftlichen Fächer. Es gibt nur eine Fremdsprache, Latein wird nicht gelehrt, Mathematik nicht in dem Umfange wie auf dem wissenschaftlichen Lyzeum.

Das Reifezeugnis dieses Abiturs berechtigte bisher zur Aufnahme an pädagogischen Akademien, zur Ausbildung als Gewerbelehrerin oder für das künstlerische Lehramt an höheren Schulen (mit gewissen Einschränkungen), und zur Ausbildung als Volksbibliothekarin. Es berechtigte nicht ohne weiteres zum Besuch einer Hochschule. Dazu bedurfte es einer Zusatzprüfung in Latein.

Vor allem die Form der ministeriellen Anordnung verärgerte alle. Die Schulpflegschaft einer Essener Frauenoberschule gab dazu eine Erklärung ab, in der es heißt: „Die Eltern können es nicht glauben, daß es nach Recht und Gesetz möglich sein soll, ihren Kindern, die unter den alten Bestimmungen ab Untertertia in die Frauenüberschuß eingestuft worden sind, den bisherigen Ausbildungsgang in gewissem Umfange ab sofort zu verlegen, die Zunkunftshoffnungen eines großen Teiles ihrer Kindeer zu vernichten und die Eltern, die im Vertrauen auf diesen Ausbildungsgang große finanzielle Opfer gebracht haben, um die Frucht dieser Opfer zu bringen.“ Es werden „zumindest Übergangsbestimmungen“ gefordert, damit die ungestörte Ausbildung der sechs bereits eingeschulten Jahrgänge gewährleistet sei, denn „im Staatsinteresse müsse vermieden werden, daß die Elternschaft sich gezwungen sehe, auf dem Klagewege ihr und ihrer Kinder Recht zu suchen“.