Gänzlich aussichtslos wäre der Versuch, die Beweiskette, die zu den genannten Ergebnissen führte, hier nachzuzeichnen. Der Forscher läßt schlechterdings nichts gelten, was bloßer subjektiver Kombinationsphantasie entsprungen sein könnte. Er arbeitet nahezu "kriminalistisch", indem er zunächst sämtliche bisher erwogenen Spuren mit minutiöser Genauigkeit bis zu dem Punkte verfolgt, wo ihre Fehlleitung evident wird. Erst dann trägt er das Material für die einzig übrigbleibende, die letzte diskutable Mutmaßung zusammen, und – siehe da! – jetzt formt sich ein Situationbild von geradezu bestürzender Schlüssigkeit; und dies nach allen Seiten der vielschichtigen faktischen, psychologischen und biographischen Lage. Steil um Stein baut sich das auf in einer nüchternen Exaktheit, die schon als erstaunliche Geduldsleistung Bewunderung fordert. Nicht selten wird ein S:einchen sehr weit hergeholt – und es füllt genau die ebenso kleine Lücke, die in irgendeiner bestimmten Folgerungsreihe noch offen war. Dies Verfahren als Leser zu verfolgen, ist ein atemberaubendes Erlebnis, obwohl die Darlegung immer strengster Sachlichkeit gehorcht und der Autor jede Abschweifung ins Blumige, Romantisch-Romanhafte vermeidet. Sogar da, wo er menschlich wertet, menschliche Werte einer Persönlichkeit empfehlen möchte oder muß, läßt er wohlbedacht die authentische Überlieferung sprechen.

Das Buch ist der erste Band einer offenbar weitangelegten publizistischen Planung unter dem Titel: "Das wandelnde Geheimnis. Tatsachen und Prophezeiungen aus dem Zeitalter der jüdischen Emanzipation." Es gehört in diese Reihe wegen der bedeutsamen Rolle, die innerhalb des hier behandelten Abschnitts aus Beethovens Leben der von vielen ihrer Zeitgenossen, nicht zuletzt von ihrem Gatten Varnhagen vergötterten Rahel zukommt, Ihr soll der angekündigte zweite Band gewidmet sein, der es schwer haben wird, wenn nicht an literarischem und geistigem Rang, so doch an weitreichendem "Effekt" mit der vorliegenden Veröffentlichung zu konkurrieren,