w. y., Rosenheim

Die Hagelschäden bei uns sind katastrophal. Wir müssen endlich mit einer wissenschaftlich erforschten Abwehr beginnen“, erklärt Landrat Knott von Rosenheim. Und er fügte hinzu: „Unser Antrag im Landtag muß ernst genommen werden, da immer noch genug durch Versicherung nicht gedeckte Hagelschäden übrigbleiben. Die Rosenheimer wollen schießen...“

1933 wurde das traditionelle Hagelschießen von den Nazis ohne Begründung verboten, und nach den Entwaffnungsbestimmungen können bis heute weder Hagelraketen noch Abwehrflugzeuge in Deutschland hergestellt werden. Um so lebhafter entbrannten in Bayern die Debatten um den Antrag Knotts, den Landkreis Rosenheim unter Mithilfe der Münchener Technischen Hochschule zum Abwehrversuchsgebiet einzurichten und dafür zunächst 50 000 DM und zollfreie Einfuhr Schweizer Hagelraketen zu genehmigen.

Da Flugzeuge für einen „Luftangriff“ noch nicht zu bekommen seien, will Knott eine Bodenabwehr vorwiegend nach Schweizer Vorbild und Erfahrung organisieren mit teils stationären, teils auf Motoranhängern montierten beweglichen Schießständen. Diese „Hagelabwehrbatterien“ wären von geschulten Hagelschützen (evtl. aus den Reihen der freiwilligen Feuerwehr) zu bedienen, die vom Abwehrkommando im Landratsamt auf Planquadraten eingesetzt werden, nachdem vom Wetterdienst, zum Beispiel auf dem Wendelstein, „Hagelalarm“ gegeben wurde...

Halb zwischen Gaudi und Aberglauben glaubten die alten „Hagelschießer“ die bösen gelben Wolken mit lärmender Erschütterung aus „Hagelkanonen“ mit 3 bis 4 Meter langen, trompetenförmigen Rohren „vertreiben“ zu können, zumal sie durch ein Gutachten der bayrischen Akademie der Wissenschaften seit 1772 darin bestärkt wurden. Auch den seit über drei Jahrzehnten verwendeten Raketen (heute 1 Meter lang mit Treibsatz und 800 Gramm Sprengstoff) liegt die Absicht zugrunde, die Wolke zu „zerreißen“, bevor sie Hagel bilden kann. Fallenden Hagel zu beschießen ist, wie nach einem 1931 in Württemberg veranstalteten Großversuch ganz richtig festgestellt wurde, sinnlos, da der Schlag kaum länger als 5 bis 10 Minuten dauert.

In der Schweiz und in Südtirol, aber auch im österreichischen und französischen Voralpengebiet, haben Hunderte von Gemeinden bzw. Hagelabwehrgenossenschaften, um der Erhaltung ihrer wertvollen Kulturen willen jahrelang schon viel Geld für Hagelschießen ausgegeben. Um diesen oft reichlich laienhaften Bemühungen systematisch Gewißheit zu verschaffen, wurde auf Veranlassung einer eidgenössischen Kommission von 1948 bis Anfang 1953 in der Magadino-Ebene nördlich Locarno ein über fünfjähriger Großversuch mit Sprengstoffraketen (das Stück zu 17 DM) auf über 18 qkm von 50 Abschußzeiten mit durchschnittlich 50 Schüssen je Hagelwetter veranstaltet – nach Meinung der Kommission mit negativem Ergebnis.

Dann wurden – auch in Frankreich an den Pyrenäen – neue Großversuche begonnen nach dem neuen Verfahren des amerikanischen Physikers Vincent J. Schaefer, der vom Boden und vom Flugzeug aus mit Bomben und Raketen Silberjodid in die Wolken hat sprengen lassen. Silberjodid läßt schon bei wenig Grad unter Null unterkühlte Wolken gerinnen. In der Hagelwolke seien es die obersten, bis minus 27 Grad kalten Schichten, die infolge relativ wenig unterkühlter Tropfen bzw. Kondensationskerne, zur Bildung der großen, gefährlichen Schloßen neigen, hat Schaefer ermittelt. Es komme darauf an, die Zahl der Kondensationskerne künstlich zu vermehren, so daß sie sich in der Form von vielen, aber kleinen, harmlosen Graupeln niederschlagen, bevor es zur Verhagelung kommt.

In den sehr hagelgefährdeten Vorpyrenäendepartements Frankreichs hat man daraufhin im Großversuch Silberjodid aus Bodengeneratoren in die Wolken geblasen. Auf dem jüngsten II. Internationalen Kongreß der Hagelversicherer in Baden-Baden kam Direktor Moreau als Hauptreferent über Abwehrversuche zu dem Ergebnis: man habe in gewissen Hagelwolken kreisende Strömungen festgestellt, die eine Zuführung des Silberjodid? von unten unzweckmäßig erscheinen lassen. Im übrigen stehe diese Art Hagelabwehr durch „Impfung“ der Wolken noch im Stadium des Versuchs: „Noch läßt sich nicht auf seine Wirksamkeit schließen, jedoch verdient das Experiment fortgesetzt zu werden.“

Die Abwehrchancen sind naturgemäß – darin sind sich Meteorologen und Hagelschützen einig – in den über engen Tälern zusammengedrängten Hagelstraßen größer als im freien Gelände. Hier müßte die Bodenorganisation eine viel größere Ausdehnung haben, und sei es nur, um den Vorwurf „unorganisierter“ Nachbarn zu, entkräften: sie hätten den Hagel bekommen, den die anderen vertrieben haben. Je ausgedehnter das Gewitter, desto höher die Kosten eines Hagelbeschusses, bei dem die übliche Schweizer Rakete, aus einer Leitvorrichtung an einem etwa 2 Meter hohen Pfahl abzuschießen, einschl. 40 Prozent deutschen Zolls, 24 bis 25 DM kostet. Teurere Stufenraketen erlauben neuerdings, Höhen bis 4000 Meter zu erreichen. Motorisierte Schießstände lassen sich offenbar schneller und rationeller an Schwerpunkten der Gederen Namen man leichtfertig von diesem Termin gesprochen hatte, gar nicht ein, sich mit dem Sammeln von Buntmetall für den Koloß zu beeilen. Auf die Fehlanzeige hin machte Pankow im neuen Jahre Dampf und setzte die Enthüllung auf Stalins ersten Todestag fest. Der Dresdener Bildhauer Johannes Rogge erstellte seine Pläne vorfristig, die Bronze wurde aus einem Sonderkontingent freigegeben (bei den Riesaern hatte man keinen Zentner für diesen Zweck zusammenbekommen) und die Stadtverwaltung machte sich an die Erdarbeiten.

Am Vorabend von Stalins Todestag war es dann endlich soweit. Es erwies sich als günstig, die Zeremonie bei Einbruch der Dämmerung vorzunehmen. Da fiel es nicht so auf, daß sich die „begeistert herbeigeströmten Massen“ schnell verkrümelten. Die DEFA-Wochenschauleute hatten ihre liebe Mühe, wenigstens einige Zuschauer auf die Filme zu bannen. Man kürzte die Feierlichkeiten erheblich ab, und beim Abgang von der Tribüne hörte man einen Bonzen (durch das nicht abgestellte Mikrophon) sagen: „Mensch, war das dürftig...“

Zu berichten wäre noch, daß das Denkmal von Volkspolizisten bewacht wird. witter einsetzen. Schon aus Kostengründen muß das Schießen gut gelernt sein, um – richtig „vorhalten!“ – die vermutlich hagelschwangeren Punkte der mit 40 bis 60 Stundenkilometern ziehenden Wetter zu treffen. Bedenkt man aber, daß das schwerste Hagelwetter des vergangenen Jahres am 18. Juli in wenigen Stunden von Neu-Ulm südlich der Donau entlang bis Passau zog und 12 Mill. DM Schaden kostete, so scheinen bei solcher Ausdehnung nur noch Flugzeuge rationell. So kommt man nicht nur, wie Moreau, aus meteorologischen, sondern – auch Knott aus räumlichen Gründen zum Schluß: „Flugzeuge wären besser“ für die Abwehr.