Es heißt, daß Keflavik, um gut tausend Kilometer näher an den mutmaßlichen strategischen Zielen gelegen, die ideale Startbasis für Atombomber sei. Außerdem repräsentiert Island mit seinen guten, natürlichen Häfen, seinen Fjorden, seinen Tausenden von Seeleuten, die die erfahrensten der Welt sind, einen größeren Wert als die Stützpunkte im Polargebiet. Mit der Konstruktion ihres bedeutendsten Unterseebootstützpunktes in der nördlichen Hemisphäre, in dem Walfischfjord, den eine breite Betonstraße bald mit Keflavik verbinden wird, stellen die Vereinigten Staaten in Island wohl die wichtigste Luftwaffen- und Marinebasis der atlantischen Verteidigung.

Zuweilen sehen die isländischen Kabeljaufischer an der Grenze ihrer Hoheitsgewässer in langsamer Prozession geheimnisvolle Flottillen von sowjetischen Fischdampfern vorüberziehen. Sind es friedliche Fischer oder aufmerksame Kundschafter? Die Herrschaft der Furcht, die unsern armen Planeten in ihren Fängen hält, beginnt sich auch über das ferne Thule zu legen ...

Aus Grönland wurde Dröhnland

Mit seinen zwei Millionen Quadratkilometern ist Grönland die größte Insel der Welt, die raummäßig zwischen Australien als kleinstem der Kontinente und Neu-Guinea als zweitgrößter Insel des Globus einzuordnen ist. Von den zwei Millionen Quadratkilometern ist aber nur das eisfreie Küstengebiet mit 300 000 qkm als erschlossen zu betrachten, wirtschaftlich nutzbar ist davon auch wieder nur ein kleiner Teil. Unter den 20 000 Eskimos in Grönland, von denen nur 1000 an der Ostküste leben, gibt es kaum noch 100, die im Laufe der Jahrhunderte nicht einen europäischen Seemann in der Ahnenreihe haben.

Durch einen Entscheid des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag wurde Dänemark 1933 ganz Grönland zugesprochen, das Urteil machte aber Norwegen gegenüber einige Konzessionen zur wirtschaftlichen Ausnutzung von Gebieten an der Ostküste. Im übrigen blieb Grönland gesperrt und der Handel dänisches Staatsmonopol.

Die Zeit zwischen den Kriegen und besonders der letzte Weltkrieg brachte für Grönland die entscheidendste Veränderung seit der Besiedlung um das Jahr 1000, die von Island aus erfolgte. Die Abnahme der jagdbaren Tiere und die durch Klimaveränderung erfolgte Zunahme der Fischbestände, besonders an Dorsch, führte zu einer Umstellung bei der eingeborenen Bevölkerung. Es gibt schon mehr Schafe im Küstengebiet als Rentiere auf dem ganzen Inlandeis. Die Aufnahme der Grönlandfischerei durch Kutter und Trawler aus der Nordsee brachte eine Auflockerung der Abschließung und Arbeit für die Grönländer in den Landstationen. Ein "Job" wurde interessanter als eine Meldung über ein Walroß, Kenntnisse des Dieselmotors wichtiger als Kajaktechnik. Während sich die Grönländer früher allein durch ihre Jagdbeute ernährten, so wie es heute noch die Bewohner der abgelegenen Jagdsiedlungen tun, leben viele Grönländer heute von bezahlter Arbeit, von der Unterstützung oder vom "Anschreiben".

Als die Besetzung Europas abgeschlossen war und die USA sich auf den Kriegseintritt einrichteten, geriet Grönland in ihre Interessensphäre. Am 9. April 1941 wurde mit dem dänischen Gesandten in Washington, Henrik Kaufmann, ein Vertrag abgeschlossen, der den USA in Grönland Stützpunkte einräumte, solange Amerika bedroht wäre. Kaufmann war zu dem Abschluß offiziell nicht ermächtigt, und die Regierung Dänemarks im besetzten Kopenhagen hat damals genau so protestiert wie im September 1947 gegen den panamerikanischen Beschluß von Petropolis über einen Verteidigungsgürtel für den amerikanischen Kontinent, in den Grönland eingeschlossen wurde. Ein Angriff auf diesen Verteidigungsraum sollte automatisch als Angriff gegen den amerikanischen Kontinent betrachtet werden. Beide Male wurde Dänemark die "volle Souveränität" bestätigt.