v. Z., München

Der Mir von Nagar hat uns bereits 25 Hochträger zugesagt“, erklärt Mathias Rebitsch, der 42jährige Leiter der deutsch-österreichischen Himalaja-Karakorum-Expedition 1954 zuveisichtlich. Sie hatte gerade das sehnlichst erwartete Einreisevisum bekommen, und dies war ihre Abschiedskonferenz. Am Mittwoch bricht die Mannschaft von München auf, nach Genua zunächst, von dort am 30. April mit der „Victoria“ nach Karatschi, dann nach Rawalpindi. Von dort wird die Expedition in das Gilgit-Gebiet hineinfliegen; in zwei bis drei Stunden bewältigt man eine Strecke, die früher vierzehn Tage kostete.

Die Vorbereitungen sind sorgfältig getroffen. Man sieht den Teilnehmern an – fünf Bergsteigern, fünf Wissenschaftlern und einem Filmmann –, daß sie Training hinter sich haben. Die letzten Tage allerdings waren ganz vom Packen in Anspruch genommen. „Hundertachtzig Stück Gepäck sind es geworden“, sagt der Geologe Dr. Hans Jochen Schneider. Aber da Bergsteiger und Wissenschaftler im Expeditionsgebiet, dem Hunza-Tal, getrennt arbeiten wollen, wird man es im Hauptlager noch einmal neu verteilen müssen. Man hat sich absichtlich nicht einseitig auf eine Spezialausrüstung verlegt, die nur für „Achttausender“ geeignet ist. „Wir sind nicht auf die mystische Acht versessen“, erklärte Rebitsch, „unser Gebiet sind die Siebentausender zu beiden Seiten des Hunza-Tals, von denen manche allerdings bis auf fünfzig oder hundert Meter an die ‚Acht‘ herankommen.“

Der Oberstdorfer Bergführer Anderl Heckmair, 47 Jahre alt, sagte: „Wir haben wohl die beste und modernste Ausrüstung, die es heute gibt. Die Besteigung ist ohne Sauerstoffgeräte geplant, aber auf jeden Fall nehmen wir zwei mit, aus Sicherheitsgründen.“ – „Man kann nie wissen“, fügte der Arzt der Gruppe, der Münchener Dr. Paul Bernett, hinzu, „wenn einer in diesen Höhen krank wird, erholt er sich mit Sauerstoff rascher.“

Das Hauptziel der Bergsteiger ist der 7790 Meter hohe Rakoposchi, der als „schwerer“ gilt als der Nanga Parbat. Auch die großen Gletscher, der Bartura vor allem, sollen gründlich erforscht werden. Auf der indischen geologischen Karte von dem Gebiet Hindukusch-Pamir ist das Hunza-Tal immer noch ein weißer Fleck, auf dem nichts eingezeichnet ist, als der Name. Die Expedition hofft, mit Hilfe des Geodäten Karl Heckler und des Kartographen Wolfgang Pillewizer eine Karte zurückzubringen, wie man sie von der Tradition des Alpenvereins her gewohnt ist. Topographische Geräte stehen zur Verfügung.

Die Expedition geht ins Gebiet der Hunzas; ein außerordentlich genügsames Volk, das fast nur von Pflanzenkost lebt. Die Armut des Landes zwingt ihnen jedes Jahr eine längere Fastenzeit auf. Dennoch heißt ihr Gebiet das „Land ohne Krankheit“. Den Arzt und Ernährungsforscher interessiert diese Tatsache brennend; ein Teil der Expedition wird, ähnlich den 270 Trägern, von der Hunza-Kost leben.

Auch die Geologen erhoffen sich neue Ergebnisse in diesem von ihrem Standpunkt aus „jungen“ Gebiet. Dr. Karl Wienert, seit Jahren als Geophysiker in Pakistan tätig, wird sich der Expedition drüben anschließen. Der 29jährige Geologe, Referendar Gerhard Klamert ist dieser Tage von München bereits vorausgeflogen, um gemeinsam mit Wienert die letzten Vorbereitungen zu treffen. Fünf Monate soll das Unternehmen dauern. „Am 22. September wollen wir wieder in Genua landen“, und Rebitsch fügt hinzu: „In guter Kameradschaft!“