Unternehmer ist der Mann, der etwas "unternimmt". Zu seinem Wesen gehört somit stets die schöpferische Verwirklichung, gehört Initiative, gehört Wagemut, gehört Phantasie. Allerdings wird heute oft die Befürchtung laut, dieser schöpferische Auftrag des Unternehmers werde – z. B. durch die Mitbestimmung – allseits beschnitten. Ich teile diese Meinung nicht. Im Gegenteil, beim Besuch zahlreicher Betriebe habe ich die Überzeugung gewonnen, daß sich viele Möglichkeiten dem Unternehmer, der seinen Auftrag in vollem Umfange erkennt, gerade heute eröffnen und er erhebliche Chancen hat.

Von vornherein sei noch einmal daran erinnert, daß die Legitimation, vom Eigentum her allein nicht genügt, um Unternehmer im eigentlichen Sinne des Auftrags zu sein. Wohl gilt, daß vom Eigentum her dem Unternehmer eine Freiheit zuwachsen kann, die der angestellte Unternehmer sich oft nur durch langwierige Kämpfe erobern muß. Dennoch macht das Eigentum allein noch nicht den Unternehmer. Insofern ist es gut, den Begriff des "Managers", der heute so modisch geworden ist, mit etwas größerer Vorsicht und Zurückhaltung zu verwenden. Gewiß, der Start mag für den angestellten Unternehmer nicht so einfach sein wie für jenen Unternehmer, der Alleininhaber ist. Auch bleibt er stets in einer – auch wirtschaftlichen – Abhängigkeit, die die Wirkungsmöglichkeiten einengen kann bis zum Gewissenskonflikt hin. Aber grundsätzlich gibt es keine Scheidungslinie und sollt? deshalb auch keine gezogen werden. Grundsätzlich hat der angestellte Unternehmer die gleiche Möglichkeit und die gleichen Ziele wie der Unternehmer aus dem Eigentum. Deshalb soll hier und im Kommenden Unternehmer nur in dem allgemeinen Sinne des zur Betriebsführung Berufenen die Rede sein.

Unternehmer sein heißt aber stets auch, in einer Koordinierungsfunktion zu stehen. Einst bedeutete dies lediglich, die Produktivität des Betriebes und die Rentabilität des Unternehmens am wirkungsvollsten zu kombinieren. Heute kommt zur Rentabilität und Produktivität die Humanität hinzu. Unternehmer ist also heute der Mann, der Rentabilität, Produktivität und Humanität auf einen fruchtbaren Nenner bringen muß. Hier darf dann der Hinweis nicht fehlen, daß dies zusätzlich auch eine Koordinierung des privaten und öffentlichen Interesses bedeutet, des Verbrauchers und des Staates.

Solche Aufgaben setzen neben Kenntnis und Erfahrung vor allem Charakter voraus. Vielleicht darf man es als das Gute und Verheißungsvolle unserer Zeit buchen, daß heute keine Eigenschaft, keine Kenntnis, keine Leistung mehr isoliert bleiben kann, daß vielmehr alles in den größeren Rahmen allgemeiner menschlicher Werte eingefügt werden muß. Wie es keinen Staat an sich mehr geben kann und keine Wirtschaft an sich, so gibt es auch keinen Betrieb an sich. Es gibt nur den Betrieb im Zusammenhang und Zusammenklang des allgemeinen Daseins. Der Unternehmer aber ist der Mann, der diesen Zusammenhang herstellen muß und verkörpern soll.

Es heißt dies zunächst, daß Universalität Kennzeichen des Unternehmers sein muß. Als Schlüssel zu seinem Erfolg nannte mir ein bekannter Unternehmer, daß er auf keinem Gebiet Spezialist geworden und auf jedem Gebiet Dilettant geblieben sei. Denn der Unternehmer darf weder Nur-Kaufmann oder Nur-Techniker, er darf aber auch nicht Nur-Humanist sein. Er muß eben in besonderer Weise alles in allem sein. Die Zukunft wird erweisen, daß bei ihm die charakterlichen Werte immer schwerer ins Gewicht fallen werden. Dieses hängt damit zusammen, daß sich sein Betrieb immer stärker als soziales Gebilde verwirklichen wird. Was der Unternehmer im Betrieb auch vom Herzen her sein kann, wird eine immer entscheidendere Rolle spielen.

Somit wird wichtig, aus welchen Quellen dieser Unternehmer lebt und wie er lebt. Beispiel und Vorbild sind von ihm gefordert. Aber hier herrscht noch große Unsicherheit, eine Unsicherheit, die aufgeschlossene Unternehmer selbst als bedrohlich empfinden. Der Unternehmer sucht inneren Rückhalt. Manche haben Anschluß bei den Christlichen Akademien gefunden; einige dieser Akademien – so Hermannsburg von einst, Loccum von heute – sind als Unternehmer-Tagungsstätten besonders bedeutsam geworden. Oder man wünscht sich die eigene Unternehmer-Akademie – ein Lieblingsgedanke Josef Winschuhs. Im Bergbau gibt es den "Kommendekreis der Bergwerksdirektoren", der im Austausch mit den beiden großen Konfessionen schöpferische Anregungen für die Sozialgestaltung der Zechenbetriebe erstrebt. Die "Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer" bekennt sich zu einem sittlich verpflichteten Unternehmertum und hat es auch tatsächlich verstanden, schöpferische Persönlichkeiten unter den deutschen selbständigen Unternehmern zusammenzuführen. In Hamburg ist jüngst der "Leistungsring deutscher Unternehmer" gegründet worden, der sich den Problemen der Lebensform und des Lebensstils des Unternehmers widmen möchte. Schließlich haben es große Unternehmungen zu ihrem Anliegen gemacht, sich bewußt um die Heranbildung ihrer unternehmerischen Führungskräfte zu bemühen. Einige in Deutschland tätige amerikanische Gesellschaften sind darin beispielhaft hervorgetreten.

Dennoch bleibt immer noch viel zu tun. Auch grundsätzlich! Der Unternehmer muß wissen, wo er wurzelt. Seine weltanschauliche Grundlage ist mehr als eine Privatliebhaberei, sie ist eine Wirklichkeit, die von entscheidender Tragweite auch für die allgemeine gesellschaftliche Struktur heute und in Zukunft ist. Es geht um seinen Lebensstil und um seine Daseinsform. Denn der Unternehmer steht, wie wohl kaum ein anderer, heute an der Stelle, wo die Entscheidung fällt, ob der europäische Mensch sich behaupten wird oder nicht.

Eine Unternehmer-Akademie, die dieses Grundsätzliche mit dem Besonderen der Stoff- und Wissensgebiete verbindet, bliebe daher in jedem Falle überaus wünschenswert. Allerdings müßte sie dann die Stätte sein, wo man lernt, praktisch miteinander zu leben – also etwa im Sinne des amerikanischen College-Systems. Ferner müßte sie Zugang bringen zum menschlichen Partner im Betrieb: eine Unternehmer-Akademie, die nicht zugleich Mitarbeiter-Akademie sein will, hat wenig Sinn. Schließlich könnte Aufgabe einer solchen Unternehmer-Akademie sein, den Austausch junger Führungskräfte international und zwischen den verschiedenen Branchen zu steuern.

Gewiß, von einer schulischen Bildung allein erwarten wir zumeist nicht soviel wie die pädagogisch überaus optimistischen Amerikaner. Wenn auch Gabe und Begabung wesentlichste Voraussetzungen für den guten Unternehmer sind – wie überall, wo schöpferische Leistung gefordert wird –, so sollte dennoch bei uns der Erziehung zum Unternehmer . mehr als bisher Aufmerksamkeit gewidmet werden. Denn es besteht sehr deutlich die Gefahr, daß sich die Erziehungsarbeit dorthin verlagert, wo man sie sich nicht und jedenfalls nicht so ausschließlich wünscht. Wir erleben heute eine Verwissenschaftlichung unserer wirtschaftlichen Führungsschicht, die bedenklich machen muß. Der "Doktor" gehört allmählich zum notwendigen Dekor des Unternehmers. Dabei sind sich alle Einsichtigen darüber einig, daß die Ausbildung an unseren Universitäten trotz "Studium Generale" immer noch zuviel Spezialwissen, aber noch nicht das mitzugeben vermag, was für den unternehmerischen Alltag so nötig ist: die Fähigkeit, so Verschiedenartiges, wie es nun einmal Menschen, Maschinen und Produktionsmittel sind, zu einer rentablen und produktiven Leistungsgemeinschaft zu verbinden und diese Leistungsgemeinschaft dann obendrein zu einem sinnvollen. Glied der gesellschaftlichen Ordnung zu formen. Gewiß, die letzte Ausformung einer solchen Koordinierungsfähigkeit bringt nur die Auseinandersetzung mit der Praxis, mit dem Leben. Dennoch zeigen Beispiele von der Antike bis zur Gegenwart, daß es Schulformen als Lebensformen geben kann. Sie für den Unternehmer und besonders für den Unternehmernachwuchs fruchtbar zu machen, wäre eine große Aufgabe, der sich besonders auch die Arbeitgeberverbände widmen könnten.