Am 16. und 17. Juni 1953 geschah in Berlin und in der Sowjetzone, was alle Welt bis dahin für unmöglich gehalten hatte. Ohne Organisation und ohne Führung erhoben sich die Arbeiter gegen den kommunistischen Staatsapparat, der sie seit acht Jahren gequält, ausgebeutet und von dem größeren Deutschland abgeschlossen hat. Es begann am Morgen des 16. Juni mit einem Streik der Arbeiter auf einer Baustelle an der Stalinallee, die – achtzig Mann stark – einen Protestmarsch vor das Sowjetzonenministerium machten. Einige Stunden später stand ganz Ostberlin im Aufruhr, am nächsten Tag die ganze Zone. Nur unter Aufbietung aller Kräfte wurde die sowjetische Besatzungsmacht im Laufe der nächsten Tage des Aufstandes Herr. Viele Monate dauerte die Racheaktion der Sowjetzonenregierung, die mit Erschießungen und mit unmenschlichen Zuchthausstrafen für die ausgestandene Angst der Revolutionstage Revanche nahm; sie ist noch immer nicht zu Ende, noch kürzlich, am 29. Mai, wurden einige Bauarbeiter zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt, die an jenem Protestmarsch in der Stalinallee zum Luftwaffenministerium teilgenommen hatten. Trotzdem – oder gerade deshalb – ist der 17. Juni 1953 für Deutschland zu einem Symbol geworden. Er hat den Beweis erbracht, daß auch der Macht der Sowjets Grenzen gezogen sind. Das wissen die Deutschen heute, in der Bundesrepublik und in der Sowjetzone selbst – das hat aber auch die ganze übrige Welt zur Kenntnis nehmen müssen, die westliche wie die östliche.