Von den verheirateten Frauen stehen 40 v. H. unter der Doppelbelastung von Haushalt und Beruf. Oft gleichen sie „Kerzen, die an beiden Enden brennen“ – so sagte Frau Dr. Ruth Bergholtz in einem Kreis von jungen Unternehmern, die auf Einladung der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft (Hamburg) in Bad Segeberg eine Studientagung abhielten. Bei einem 8 1/2 stündigen Arbeitstag zuzüglich einer halben Stunde Fahrzeit und drei Stunden Hausarbeit beträgt der Arbeitstag der berufstätigen Frau 12 1/2 Stunden, und der Sonntag enthält mindestens 4–5 Stunden Hausarbeit. Der Betriebspsychologe Ludwig Kroeber-Keneth wies darauf hin, daß wir uns damit bei der Frauenarbeit den sonst längst überwundenen Arbeitsbedingungen des frühkapitalistischen Zeitalters nähern. Andererseits liegen die Fehlzeiten bei Frauen mehr als doppelt so hoch wie bei den Männern. Frauenlöhne sind dementsprechend (im Durchschnitt) 30 bis 40 v. H. niedriger.

Kann nun die Fünftagewoche hier eine Entlastung bringen? Unter Beibehaltung der bisherigen täglichen Arbeitszeit wäre sie gewiß ein Ideal und könnte gerade für die berufstätige Frau segensreich wirken. Aber es bestehen begründete Zweifel, ob sich die deutsche Wirtschaft die Fünftagewoche in dieser Form jetzt schon allgemein wird leisten können. Ohne Kürzung der Gesamtarbeitszeit und bei infolgedessen verlängerter täglicher Arbeitszeit würde sie die Gesamtarbeitszeit in Beruf und Haushalt auf 13 Stunden ansteigen lassen. Die Fünftagewoche könnte damit leicht zu einem „Danaergeschenk“ werden (so Kroeber-Keneth). Mit Halbtagsarbeit hat man schlechte Erfahrungen gemacht. Dagegen ist in einigen, aber keineswegs allen Industriezweigen eine voll bezahlte sechsstündige Arbeitszeit für Frauen wohl möglich, zumal der moderne Betrieb die Frau in ihrer Hausarbeit in vielfältiger Weise entlasten kann: durch Waschmaschinen im Betrieb, Kindergärten und – wie beachtenswerte Beispiele aus. Süddeutschland zeigen – durch Vermittlung älterer, invalidisierter Arbeiterinnen zur Haushaltshilfe bei verheirateten berufstätigen Frauen. Dies sind Aufgaben, die die volle Beachtung der Betriebsleitungen verdienen.

Es ist nicht allein die Arbeitszeit, die in der praktischen Betriebspolitik eine besondere Berücksichtigung der Frauen nahelegt: die Pflege des Betriebsklimas und die Auswahl geeigneter Meister und Vorgesetzter spielt gerade für weibliche Arbeitskräfte eine große Rolle. Junge unverheiratete Frauen, auch wenn sie noch so tüchtige Fachkräfte sind, und erst recht junge unverheiratete Männer, dürften in der Regel als Vorgesetzte, von Frauen ungeeignet sein. Als Werkfürsorgerinnen, in der Erziehung und Betreuung junger Arbeiterinnen leisten Frauen allenthalben Hervorragendes und sind zweifellos, im modernen Industriebetrieb unentbehrlich. Die beruflichen Aufstiegsmöglichkeit ten für die Frau lassen noch viel zu wünschen übrig. Die Aufstiegswünsche sind wohl im Durchschnitt bei den Frauen geringer, aber sie sind bei einem erheblichen Teil der jungen Frauen – Frau Dr. Bergholtz schätzt ihren Anteil auf 25 v. H. – nicht zu verkennen. Diese Tatsache legt eine vermehrte Schaffung von geeigneten Berufsausbildungsplätzen für weibliche Arbeitskräfte nahe.

Die Frau im Betrieb – dieses Thema ist noch weitgehend Neuland; aber es wird drängend, sich darüber Gedanken zu machen. Ein Drittel aller Berufstätigen sind Frauen. Von den 18- bis 20jährigen Mädchen sind 75 v. H. berufstätig, von den 20- bis 25jährigen sind es 65 v. H., von den 25- bis 50jährigen 40 v. H., und von den über 50 Jahre alten Frauen stehen noch 20 v.H. im Beruf. Bei dem in Zukunft zu erwartenden Mängel an Nachwuchsentlassenen – 1960 wird mit einem Ausfall von 37 v. H. der Schulentlassenen gegenüber 1954 zu rechnen sein – bedeutet die Frauenarbeit eine entscheidende Arbeitskraftreserve. Werden die Verhältnisse in der deutschen Wirtschaft dann so geartet sein, daß sie ein Optimum der Frauenarbeit in körperlicher und seelischer Hinsicht gewährleisten? Die Welt der modernen Industrie ist vom Manne erdacht und geschaffen. Aber es besteht kein Grund, daran zu zweifeln, daß sie auch für die Frau eine sinnvolle Gestaltung ihrer Arbeitsverhältnisse möglich macht, wenn der Frauenfrage im Betrieb die Beachtung geschenkt wird, die sie verdient... R. D.