Während der zwanziger Jahre wurde Hans

Blühers Name in Deutschland oft genannt. Blüher ist Humanist, Anhänger Friedrich Nietzsches und eines Erosbegriffs, der aus der griechischen Antike sein Recht auf Gültigkeit noch in unsere Zeit hinüberzuretten versuchte. Der Kreis seiner Jünger reichte von ehemaligen gekrönten Häuptern bis in jene zwielichtigen Sphären, wo seine Doktrinen als eine Art von Sektenevangelium postuliert wurden. Später wurde es still um Hans Blüher, so daß die heutige Generation kaum noch den Namen kennt. Seine kürzlich erschienenen Memoiren

„Werke und Tage“ (bei Paul List, München, 16,80 DM).

dürften ihm kaum zu neuem Ruhm verhelfen. Er bezeichnet sie anspruchsvoll als die „Geschichte eines Denkers“.

Wirkliches Interesse beansprucht nur der erste Teil, die Schulzeit und Wandervogelbewegung, der idealisiert mitunter Edles aufklingen läßt, das bei der heutigen Jugend durch die Härten der Zeiten verschüttet wurde. Dieser Teil wurde bereits einmal, vor fünfundzwanzig Jahren, geschrieben und veröffentlicht. Was dann folgt, ist im Grunde wenig mehr als das Poltern eines mißgelaunten Jupiter tonans, der seiner Epoche nachtrauert und nun querulantenhaft an der neuen Kritik übt. Besonders peinlich berührt neben einem sich Sonnen im Glanze der Großen die Überbetonung des Erotischen. Für beides finden sich überreichlich Zitate. Hier nur einige davon: „Damals (unter Hitler) sammelte sich um mich die ganze gutaussehende Jugend, meist in Uniform, rassisch und persönlich hervorragend betont, während sich auf der Gegenseite das ganze langhaarige, schlechtfrisierte Gesindel aufstaute, Literatenvolk mit tiefen Menschheitsblicken, der Typ des damals herumlungernden freideutschen Abfallprodukts.“ Oder angesichts des weiland Magnus Hirschfeldschen pornographischen Anschauungsunterrichts gesteht Blüher uns: „Solche Hermaphroditen haben ihre eigenen Reize, wenn sie jung und hübsch sind. Man weiß nicht recht, wohin; der eigene Eros setzt ein, und man steht wie am Scheidewege.“ Dann wieder werden in einem „Das Buch Peregrina“ überschriebenen Kapitel seine Beziehungen zu einem lesbisch angehauchten Mädchen geschildert, und schließlich geniert sich der Autor nicht, uns Albernheiten zu erzählen wie diese: „Als ich während der Blockade Berlins aufs Rathaus ging, um für mich die Lebensmittelkarte I zu erwirken, brauchte ich nur meinen Namen zu nennen, und sofort fragte der Vorsitzende: ‚Blüher .. ? Sind Sie der Verfasser von ...?‘ Und nun kam ein fast lückenloses Verzeichnis meiner Schriften. ,Ja!‘ antwortete ich, und er rief zu dem notierenden Mädchen hinüber: Selbstverständlich Karte I!‘“

Dies alles und noch weit mehr, beinahe das ganze Werk könnte man als senile Spätblüte eines abwegigen Denkers ad acta legen, wenn nicht sein kaum verhüllter Zweck, Propaganda für sich selbst und gegen den Staat zu treiben, zwänge, Stellung zu nehmen. Gewiß hat Hans Blüher ans Heutigen nichts mehr zu sagen. Dennoch aber klingen in seinem Buch Töne an, deren zersetzende Wirkung den Älteren von uns aus der Zeit der zwanziger Jahre noch in böser Erinnerung ist. Sie werden hier wiederholt und ins Heute transponiert. Soll man sie ohne weiteres dulden? Heinz Hell Zu Punkt 1 fehlt der Zusatz: Wahr ist vielmehr, daß ich NS-Führungsoffizier gewesen bin.

Zu Punkt 2 geben wir Bundesminister Strauß das Wort, den wir aus seiner Stellungnahme in der Zeitschrift „Der Monat“ zitieren: