Das soeben erschienene Statistische Jahrbuch der Vereinten Nationen für 1953 enthält (neben seinem sonstigen reichhaltigen Inhalt) auch eine Übersicht über die Zahl der Telefonanschlüsse ; in – den einzelnen Ländern nach dem Stand von 1951. Dabei schneidet die Bundesrepublik recht ungünstig ab. Während in Westdeutschland in 1951 die Zahl der Anschlüsse auf 100 Einwohner ebenso hoch war wie 1938, ist seit der Vorkriegszeit das Fernsprechnetz in allen anderen Ländern der Welt in einem starken Maße ausgebaut worden, auch in den vom Krieg betroffenen Gebieten. Die Zahl der Anschlüsse stieg in Japan um 33 v. H., in Frankreich um 62 v. H., in Dänemark um 83 v. H., in Großbritannien um 87 v. H., in den Niederlanden um 103 v. H., in der Schweiz um 121 v. H., in Italien um 122 v. H., in Argentinien um 130 v. H., in Schweden um 132 v. H., in den USA um 134 v. H., in Kanada um 135 v. H. und in Spanien um 166 v. H.

Noch deutlicher wird die Rückständigkeit Westdeutschlands, wenn man dem Vergleich die Zahl der geführten Gespräche zugrunde legt. Während in Kanada jährlich je Einwohner 389 Telefongespräche geführt werden, in den USA 382 und in Schweden 306, stellt sich die bundesdeutsche Zahl auf nur 49 Telefongespräche. Hieraus geht hervor, daß das deutsche Sprechstellennetz bei weitem nicht in dem Maße ausgenutzt wird, wie in anderen Ländern.

Warum ist das so? Warum steht Westdeutschland auf diesem für eine gute und rationelle Arbeit der Wirtschaft so wichtigem Gebiet des Nachrichtenwesens, das zugleich ein sichtbarer Gradmesser des Lebensstandards ist, so sehr hinter anderen Nationen zurück? Die Antwort ist überaus einfach zu finden: weil das Telefonieren in Deutschland für die meisten Privatpersonen, aber auch für viele kleinere Betriebe der Wirtschaft einen Luxus darstellt. Die „Grundgebühren“ sind zu hoch, und viel zu hohe Gesprächsgebühren wirken prohibitiv. In allen anderen Ländern ist das Telefonieren weitaus billiger als hierzulande, trotz der auch dort hohen Investierungskosten für den einzelnen Anschluß und trotz eines dort ständig und rasch fortschreitenden Ausbaus des Netzes. In Kopenhagen beispielsweise kann man für 10 Öre (6 Pfennig) von jeder Sprechstelle aus ein Stadtgespräch führen und angesichts der Dichte des Netzes praktisch mit jedermann in Verbindung treten ... hkr.