Die im Sommer vergangenen Jahres eingeleitete Reprivatisierung der britischen Eisen- und Stahlindustrie – um sie war es in den letzten Monaten still geworden – ist seit einigen Tagen wieder aktuelles Gesprächsthema der Londoner City. Nachdem die Realisation Agency – die mit der Durchführung dieser Transaktion befaßte staatliche Abwicklungsstelle – in der vergangenen Woche bekanntgeben konnte, daß das 8 Mill. £ betragende Stammkapital der English Steel Corporation an die beiden früheren Besitzer dieses Konzerns, an Vickers and Cammel Laird für 10 Mill. £ zurückverkauft werden konnte, werden nun am Donnerstag und Freitag dieser Woche die 10 Mill. £ Stammaktien des Stewarts and Lloyds Konzerns zur öffentlichen Zeichnung aufliegen. Da es sich hier um ein Papier handelt, das vor der Nationalisierung immer seine Käufer fand – die Gesellschaft ließ verlauten, daß sie für die nächsten Jahre eine Durchschnittsdividende von 12 1/2 v. H. anstrebt, was also, auf den Zeichnungskurs umgerechnet, einer Rendite von über 7 1/2 v. H. entsprechen würde – wird ein schneller Zeichnungserfolg erwartet. Das wäre sehr erwünscht, schon deswegen, weil der Verkauf der English Steel Corporation, der in der vergangenen Woche perfekt wurde, sich immerhin über fast sechs Monate hinzog und der Reprivatisierungsaktion (man sprach von einem „Fiasko“) einigen Wind aus den Segeln genommen hat.

Sollten die 10 Mill. £ Stammanteile von Stewarts and Lloyds, wie erwartet, reibungslos placiert werden – den früheren Aktionären ist auch hier wieder ein Vorzugsrecht eingeräumt worden –, so würde damit der dritte der großen Stahlkonzerne, die unter dem Labourregime verstaatlicht wurden, wieder in private Hände gelangen (nach United Steel Companies mit 14 Mill. £ Stammkapital und English Steel Company mit 8 Mill. £). Der gesamte Kompensationswert der Betriebe, die durch das Gesetz von 1949 von der staatlichen „Iron und Steel Corporation“ erworben wurden, betrug etwa 250 Mill. £. Selbst wenn man die Reprivatisierung überall dort als durchgeführt betrachten würde, wo jeweils die Majoritäten in private Hände zurückgelegt wären – und gewiß ist es doch wohl nicht die Absicht des Staates, sich von allen seinerzeit erworbenen Titeln zu trennen (von den bisher verkauften Gesellschaften sind ja auch nur die Stammkapitalien abgestoßen worden), so zeigen diese Zahlen, daß es noch ein weiter Weg ist, bis Churchill das Versprechen erfüllen kann, mit dem er in die Parlamentswahlen von 1951 ging. Unter dem Druck des politischen Risikos (die Labour Party hat wiederholt erklärt, daß sie die Reprivatisierungsmaßnahmen rückgängig machen werde, wenn sie wieder an die Regierung kommen sollte) ist das Entstaatlichen wesentlich schwieriger als das Verstaatlichen, kr.

Deutsches Konsortium baut Großkraftwerk in der Türkei. Die Etibank in Ankara hat einem unter Führung der AEG stehenden und aus den Firmen AEG, Dürrwerke, Mannesmann, Wayss & Freytag gebildeten Konsortium den Auftrag zur schlüsselfertigen Errichtung eines kompletten Dampfkraftwerkes erteilt. Der Auftragswert des deutschen Konsortiums beläuft sich auf 40 Mill. DM. Die Inbetriebsetzung ist für den Beginn des Jahres 1956 vorgesehen. Das Werk wird zur Stromversorgung des nordwest-anatolischen 154-kV-Hochspannungsnetzes dienen und soll im ersten Ausbau eine Leistung von 64 000 kWh haben.