Beim Bau einer Autostraße an der Cheopspyramide für die Aufnahmen des Filmes „Land der Pharaonen“ wurde zufällig eine der interessantesten archäologischen Entdeckungen gemacht. Der junge ägyptische Architekt Kamel el Mallach stieß auf ein in den gewachsenen Fels gehauenes Gewölbe, das zwei große hölzerne Boote mit der beachtlichen Länge von je 30 m barg. Ohne irgendwelche besonderen Anhaltspunkte dafür zuhaben, bezeichnet man sie, offenbar wegen ihrer Zweizahl, als die beiden „Sonnenboote“, die Schiffe, mit denen der Sonnengott Re, in diesem Falle der König als der „Sohn des Re“, bei Tages- und Nachtzeit nach altägyptischer Vorstellung den Himmel durchfährt. Man schreibt sie auch dem Cheops, dem Erbauer der größten Pyramide von Giseh zu, weil sie in der Nähe seines gewaltigen Grabmonuments gefunden wurden. Müssen es deshalb aber unbedingt Sonnenschiffe des Cheops sein?

Wir wissen aus der Geschichte und aus einem geschichtliche Ereignisse um die 5. Kön:gsdynastie wiedergebenden Märchen in einer um 1000 Jahre jüngeren Niederschrift, daß diese um etwa 2650 v. Chr. beginnende Herrscherfamilie mit dem Kult des Sonnengottes aufs engste verknüpft ist. Mehrere ihrer Könige tragen darum auch Namen, die mit dem des Sonnengottes Re gebildet sind, wie Sahure, Niuserre, Nererirkere. Und bei den pyramidenförmigen Grabstätten dieser Könige in Abusir, etwa 1 1/2 Kamelstunden südlich von Gise, befindet sich auch das berühmte, von der Deutschen Orientgesellschaft in den Jahren 1898–1901 ausgegrabene Sonnenheiligtum von Abu Gorab, welches der König Niuserre gelegentlich seines Regierungsjubiläums, des sogenannten „Dreißigjahr-Festes“ errichten ließ. Hier erhob sich auf einem hohen Postament aus Kalksteiradern ein dem Sonnengotte geweihter Obelisk. Davor lag ein Hof mit einem gewaltigen Alabasteraltar und seitlich der noch in Ziegelresten erhaltene Unterbau einer großen Sonnenbarke.

Es war bis jetzt die älteste Großdarstellung eines Sonnenschiffes, und deshalb wäre es eine besonders wertvolle Entdeckung, wenn wir nun gleich zwei dieser Boote aus einer noch früheren Zeit aufgefunden hätten. Die ersten durch einen schmalen Mauerspalt aufgenommenen Blitzlichtaufnahmen lassen in etwa die Form des Schiffes und seine erstaunlich gute Erhaltung erkennen. An der Felswand aufgezeichnete Hieroglyphen geben an, daß eine Arbeiterkolonne, namens „Die erste Erwählte“, die beiden Schiffe oder den Raum für diese erstellt hat. Man rätselt nun noch herum, was sich unter den mit Tauen überlagerten Deckplanken der Schiffe verbirgt.

Gegen Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausends, als die Macht der Könige des Alten Reiches im Sinken war, begannen die vornehmen Privatleute sich ehemals rein königliche Rechte anzueignen. So nahmen sie Sonnenbarken mit ins Grab, um an der Fahrt des Sonnengottes am Tages- und Nachtfirmament teilzuhaben. Wir kennen weiter Reliefdarstellungen aus Tempeln und Gräbern späterer Zeit mit dem Sonnengotte Re-Horus in Falkengestalt oder mit Falkenkopf auf menschlichem Körper, der in seiner Himmelsbarke wie auf einem See fährt. Dabei ist das alte Himmelsbild der Ägypter recht, vielfältig. Einmal ist der Himmel als flache Weltabdachung dargestellt, die mit spitzen Tragecken auf vier Stützen über der Erde ruht. Ein anderes Mal erscheint der Himmel als Frau, die sich über die Erde beugt und vom Luftgotte Schu hochgehalten wird. Dann wieder nimmt er die Gestalt einer Kuh an, an deren Bauch die Sterne wie auch die beiden Sonnenschiffe angeheftet sind.

Wenn die Nachtfahrt des Gottes dargestellt ist, so trägt er einen Widderkopf mit der Sonnenscheibe darauf. Er thront in einer Kapelle, während vor ihm als vortragender Wesir der ibisköpfige Schreibergott Thor, Sinnbild der vergöttlichten Weisheit, als Berichterstatter fungiert, und so das Sonnenschiff zum Sitz der weltlichen Regierungsgewalt wird. MF/Od.

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Dreißig Kilometer südlich von Kairo wurde in der Grabkammer der unvollendeten Pyramide von Sakkara ein Pharaonengrab entdeckt, von dessen Durchforschung sich die Archäologen die bisher weitaus reichsten und aufschlußreichsten Funde versprachen. Der 2,40 m lange, 1,15 m breite und 1,10 m hohe Alabastersarkophag erwies sich jedoch bei der Öffnung als leer. Die Gelehrten hoffen, die Mumie eines Pharaos der Dritten Dynastie noch in einer tieferen Schicht der Grabkammer oder in einem anderen Gewölbe zu finden.