Angekündigt hatte das Fernsehen: 45 Minuten aus dem Programm „Verdummt in alle Ewigkeit“ des Düsseldorfer Kom(m)ödchens. Gesendet wurden: 20 Minuten davon. Es fehlten: der Sketch von der Onkelehe, an der ein Würmehingehen frißt; die Rede Mark Antons („... und Brutus ist ein ehrenwerter Mann“), umgedichtet auf eine heutige Berühmtheit; und noch einige aktuellsatirische Nummern. Sie fehlten, weil der Kölner Fernseh-Chefredakteur (bis vor kurzem Beamter im Bundespresseamt) diese Nummern nicht für „tragbar“ hielt, obwohl sie sonst allabendlich unangefochten über die kleine Düsseldorfer Bühne gehen. Eine Intervention der Hamburger Zentrale fruchtete nichts, und Kay Lorentz, der witzige Leiter des Kom(m)ödchens, konnte sich nur durch eine live gesendete und daher unzensierbare Ansage revanchieren: „Zwischen Bonn und dem Kölner Dom“, so etwa sagte er, „liegt – das Fernsehstudio, das früher Sitz der NSDAP war. In dieser Umgebung fühlt sich das Kom(m)ödchen recht beengt...“

Solche Geschichten macht der deutsche Fernsehfunk.

Der Funk soll nicht unmittelbar auf die Politik einwirken. Aber er kann und soll das politische Bewußtsein und die Urteilsfähigkeit seiner Hörer schärfen. Dafür hat er in seinen Bandarchiven ein großartiges Hilfsmittel. Wenn ein geschichtliches Ereignis in die Zeit nach der Erfindung des Magnetophonbandes fiel, kann man durch „Einblenden“ von Originalaufnahmen das betreffende Ereignis bis zu gespenstischer Gegenwärtigkeit nahebringen. Hitlers Reden zum Beispiel sind, ganz ohne Kommentar, als akustische Konserve ein vernichtendes Zeugnis gegen diesen Mann. Das bewies Erwin Wickert, der Meister der historisch-aktuellen Hörfolge, in seiner Sendung zum 22. Juni 1941 („Über dem Osten Nacht“, NWDR Köln). Kein Wort eines Nachlebenden kann den Wahnsinn und die Vermessenheit des Ostkrieges auch nur -annähernd so gut treffen, wie die hochfahrenden Sätze Hitlers selbst mit ihrem rüden Ton der Verstocktheit. Hier zeigte sich, daß der Funk eine Aufgabe hat, der er noch viel energischer nachgehen könnte, als er es bisher tat: zu verhindern, daß sich Geschichte wiederholt.

Donnerstag, 1. Juli, 20.05 vom NWDR:

Den Schweizer Architekten und Dramatiker Max Frisch reizt die Kunstform des Hörspiels. Sein „Rip van Winkle“ wandelt das alte Motiv modern ab: Ein Fremder wird erkannt als ehemaliger Mitbürger, will aber seine Identität nicht wahrhaben. Doch die Bewohner der Stadt zwingen ihn, zu sein, was er gewesen ist...

21.00 aus Frankfurt: Von Leos Janacek das Streichquartett „Vertrauliche Blätter“ und das Klavier-Capriccio für linke Hand allein. – 21.00 aus Stuttgart: Von Leos Janacek die Suite „Mladi“ für Bläsersextett und die Sinfonietta. – 22.40 aus Bremen: Zum 50. Geburtstag der George Sand die Hörfolge „Die Frau, die keine sein wollte“ von Karl Schwedhelm. – 23.15 vom NWDR: Jean-Louis Martinets sinfonische Skizzen „La Trilogie des Prométhées“ (1947) und Luigi Dallapiccolas „Tre poemi“ für Sopran und Kammerorchester (1949). – 23.15 vom SWF: Kammermusik von Benjamin Britten, Matyas Seiber, Niels Viggo Betzon und Everett Helm.

Freitag, 2. Juli, 21.00 vom Südwestfunk: