Bei der „Großen Kunstausstellung“ in München wurden in diesem Jahr „aus Platzgründen“ etwa 2000 Arbeiten zurückgewiesen. Die betroffenen Künstler, die an der Stichhaltigkeit der Begründung zweifeln, stellen ihre Werke unter dem Ausstellungstitel„Die Refüsierten“ in der Galerie Gurlitt dem Publikum vor.

Die Zurückgewiesenen stellen gesondert aus – das erinnert an hochbedeutsame Ereignisse in der Geschichte der Malerei, und die Presse hat nicht versäumt, solche Parallelen zu erwähnen. Man beeilt sich also, nach München zu kommen, in der stillen Hoffnung, daß sich auf dem Gebiet der bildenden Kunst endlich etwas tut. War es nicht immer so, daß die Kommenden von den Anerkannten so lange nicht beachtet und zurückgesetzt wurden, bis sie auf Leben und Tod eine abgetrennte Gruppe – eine Sezession – bildeten?

Als wir zur nachtschlafenden Zeit – vormittags so gegen elf – die Galerie Gurlitt aufsuchen, erklärt man uns, es sei zwar noch keiner der Herren anwesend, wir könnten aber ruhig einmal nach oben gehen. – Oben vermissen wir dann nicht nur „die Herren“, sondern auch jede Spur von Publikum, erfahren jedoch auf Befragen: „Bei gutem Wetter ist es mehr.“ – Soviel über die Anteilnahme der Bevölkerung an diesem Ereignis.

Man hatte uns am vorhergehenden Tag in der großen Kunstausstellung (neben durchaus Bemerkenswertem) ein allzu großes Maß an Artigkeiten und – soweit es sich um Moderne handelt – Schablonisiertem zugemutet, darum war der erste Eindruck bei Gurlitt erfreulich. Der zweite Eindruck; In keiner Hinsicht erschütternd!

Es ist nicht recht einzusehen, warum gerade diese Arbeiten von einer Jury zurückgewiesen wurden, die soviel Mittelmäßiges für ansehenswert gehalten hat – man sieht aber auch nicht ein, warum in einzelnen Pressemeldungen die Möglichkeit einer Umwälzung – einer allerneuesten Sezession – angedeutet wurde. Es handelt sich bei den „Refüsierten“ nicht um Aufständische, sondern um Zurückgesetzte, also nicht um eine künstlerische Fragestellung, sondern um eine soziale. Wenn man erfährt, in welchem Maße die veranstaltenden Künstlervereinigungen bei der großen. Ausstellung ihre eigenen Mitglieder zum Zuge kommen lassen – „Die Neue Gruppe“ übernahm zum Beispiel von jedem ihrer Angehörigen drei Bilder unjuriert in das Haus der Kunst –, erscheint das soziale Problem sogar zum Vereinsproblemchen vereinfache – Problematisch freilich nur für Einzelgänger, die keiner der herrschenden Gruppierungen zuneigen Th. M.