Zuweilen wird der Eigentümer eines kleineren oder mittleren Betriebes nicht geeignet oder nicht geneigt sein, die Leitung selber zu übernehmen. Es ist ja nicht selbstverständlich, daß der_Erbe eines Industriebetriebes unternehmerische Fähigkeiten besitzt. Vielleicht ist er ausschließlich künstlerisch oder wissenschaftlich interessiert. In einem bäuerlichen oder handwerklichen Kleinbetrieb mag es ohne schlimme Folgen für die Allgemeinheit angehen, daß ein mehr oder weniger geeigneter Eigentümer diese Betriebe bewirtschaftet. In Betrieben jedoch, die eine größere Anzahl von Arbeitnehmern beschäftigen und von denen oft eine, ganze Ortschaft lebt, werden die Eigentümer, wenn sie sich selber nicht zum Unternehmer eignen, schon im eigenen Interesse leitende Angestellte mit der. Führung des Betriebes beauftragen. So sollte es sein; so geschieht es auch häufig.

In größeren Betrieben, vor allem in Großunternehmen, hat die Vielfalt der unternehmerischen Aufgaben einen solchen Umfang angenommen, daß ein einzelner Mensch, und wäre er der genialste, diese Aufgaben nicht allein zu bewältigen vermag. Hier müssen deshalb die unternehmerischen Verantwortungsbereiche in kluger Weise aufgegliedert und verteilt werden. Die Art und Wei se dieser Aufgliederung hängt selbstverständlich von den jeweiligen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ab.

Im modernen Betrieb sind viele Lohn- und Gehaltsempfänger beschäftigt. Von:den rund 2l Millionen Erwerbstätigen sind nur etwa sechs Millionen Selbständige. Die übrigen 17 Millionen verlassen Tag für Tag in einer gewaltigen Völkerwanderung ihre Heime, um als Arbeiter, Angestellte oder Beamte in den Betrieben, Büros und Verwaltungen Dienst zu tun. Den Tausenden, ja Zehntausenden yon Arbeitnehmern, die in manchen Großbetrieben beschäftigt sind, tritt der Unternehmer als Arbeitgeber gegenüber. Es gilt, jeden an den rechten Arbeitsplatz zu stellen, jedem den ihm zuständigen Lohn zu zahlen; es gilt, in jedem den Mitarbeiter und Mitmenschen zu sehen und den Betrieb so zu vermenschlichen, daß die Arbeiter — bei aller notwendigen Ein- und Unterordnung — selbstverantwortliche Persönlichkeiten bleiben. Das alles — Unternehmerauf gaben ersten Ranges — vermag der Direktor allein nicht zu meistern. Hier werden leitende Angestellte — in sinnvoller Aufgliederung der Verantwortungsbereiche — einen weiten Wirkungskreis finden.

. Der moderne Betrieb ist eine komplizierte technische Einheit. Den Arbeitsablauf bestimmen vielartige, rationell aufeinander abgestimmte Kraftund Werkzeugmaschinen. Der Betrieb kann nur beim feinsten Zusammenspiel aller technisshen Einrichtungen funktionieren. Daraus folgt, dais einerseits zwar die Einheit der verantwortlichen technischen Leitung gewahrt, andererseits jedoch auch hi die Verantwortungsbereiche sinnvoll aufgegliedert werden müssen. Wiederum öffnen sich wichtige Aufgabenbereiche für die leitenden Angestellten. Sie müssen sich im technischen Bereich auf Organisation und Koordination verstehen und einen Blick für Pinge und Menschen haben.

Der moderne Betrieb ist rnarktbrientiert. Ziel ist nicht die eigene Bedarfsdeckung wie im mittelalterlichen Bauernhof, sondern der vorteilhafte Absatz der Erzeugnisse auf dem Markt. Die Folge ist, daß der moderne Betrieb stärker dem Wagnis ausgesetzt ist als der Bedarfsdeckungsbemeb. Der moderne Betrieb ist markternpfindlich. Es gehört. deshalb zu den unternehrnerischen Aufgaben, Marktanalysen vorzunehmen und die verschiedenen Märkte richtig zu verstehen. Ich nenne der vorteilhaften Einkauf, die Pflege und Intensivierung der Absatzmärkte, die Kenntnis der Verhältnisse auf dem Kapitalmarkt usw. Auch hier werden leitende Angestellte vor wichtigen Aufgaben stehen.

Der moderne Betrieb ist hineingestellt in die Dynamik der gesamten wirtschaftlichen Entwicklung. Diese Dynamik wird vor allem durch die Zunahme der Bevölkerung, den technischen Fortschritt und den Zwang, nicht nur die Produktion, sondern die Produktivität zu steigern, vorangetrieben. In den Vereinigten Staaten müssen infolge der Bevölkerungsvermehrung Jahr für Jahr 660 000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. In der Bundesrepublik ist von Ende Juni 1952 bis Ende Juni 1953 die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer um 635 000 gestiegen. Das alles bewirkt, daß den Betrieben das Gesetz der Dynamik vorgeschrieben ist. Stehenbleiben würde Rückschritt bedeuten. Es ist deshalb Pflicht des Unternehmers, durch Rationalisierung den Betrieb konkurrenzfähig zu erhalten. Eigene Planungsbüros sind erforderlich. Auch können Großbetriebe kaum noch umhin, leitende Angestellte für Forschungsaufgaben freizustellen usw.

Der moderne Betrieb steht im Kraftfeld des Staates, d h der staatlichen Wirtschafts, Konjunktur, Steuer- und Sozialpolitik. Wiederum ergeben sich hierfür den Unternehmer wichtige und schwierige Aufgaben, zu deren Meisterung er zahlreicher leitender Mitarbeiter bedarf. Ich erinnere etwa an die Bedeutung der Sozialversicherung oder des Steuerwesens für den Betrieb. Nur Fachkräfte vermögen diese Aufgaben zu erfüllen.